Die Somonner. <MLLHLG§MELH§<^L§<^ 291
konnte. Um so ehrenvoller sind die Erfolge der bisherigen Verwaltung, die eine ersprießliche Bewirtschaftung mit eigenen Mitteln aus Steuern ermöglicht hat. Wenn auch dieses System nicht gerade den berechtigten Wünschen und Hoffnungen der lange vernachlässigten Interessenten entspricht, so kann man es mit Rücksicht auf die Zwangslage des Gouverneurs doch nicht tadeln, da dieser eben darauf angewiesen ist. Die kampfesmüden Samoaner selbst haben, nachdem ihre lange mit allen möglichen Machtmitteln vergeblich versuchte Entwaffnung ohne Schwierigkeiten erfolgt ist, nicht nur die Kopfsteuer anstandslos bezahlt, sondern auch freudig an dem neuen Friedenswerk, an Wegebauten usw. mitgewirkt, ja sogar dabei manchem faulen, interesselosen oder sogar widerstrebenden Ansiedler ein schönes Beispiel gegeben.
IH. Die Samoaner.
„Mein Lebenslauf ist Lieb' und Lust und lauter Lieder Klang; ein frohes
Lied aus heitrer Brust macht froh den Lebensgang_ Durch Sorgen wird's
nicht anders sein; was kümmr' ich mich darum." — So singt der feuchtfröhliche deutsche Student — so lebt der Samoaner. Ohne daß, wie es in dem schönen Studentenliede weiter heißt, Bacchus ihm die Krone trägt oder der Traube Saft ihm heiße Glut kühlt, braust er auf in Lieb' und Lust und würzt die Freude sein Mahl. Und wie jubelnde, singende, trinkende Studenten lebten die fröhlichen Menschenkinder in den Tag hinein, denen, auch ohne daß sie der Welt Regenten sind, jeder Tag ein Festtag, das Leben eine Kette sorglosen heiteren Genießens war, wie es im Paradiese nicht schöner sein könnte. Den beneidenswerten Bewohnern dieses paradiesischen Erdenstückchens fehlte einst nichts — gar nichts. Aus unerschöpflichem Füllhorn spendete ihnen Mutter Natur ohne Gegendienste alles in Fülle, was zu des Lebens Nahrung und Notdurft, zu Daseinsfreude und Lebensgenuß gehörte.
Sorglos die behaglich ausgeruhten Glieder auf weichem Mattenlager streckend, krabbeln die hellmahagonifarbigen Menschenkinder unter ihrem „Himmelbett" hervor, mit oder ohne Vergnügungsprogramm treten sie, nachdem sie ihr Bett gemacht haben, aus dem kühlenden Schatten ihrer kunstvoll einfachen Hütte heraus, um das Tagwerk mit einem erfrischenden Bade im Fluß- oder Meerwasser oder sonstwie angenehm zu eröffnen.
Die Wohnstätten der Samoaner sind mit wenigen Ausnahmen auf das Küstengebiet beschränkt, die meisten Ortschaften, „nu'u", stehen direkt an der Küste auf sandigem oder steinigem Grunde. Sie bestehen aus einer Anzahl einzelner Hütten „knie", die sich entweder um ein großes Gemeindeoder Häuptlingshaus, „knie tele", mit einem freien Vorplatz, „malae", auch um mehrere solche gruppieren oder häufiger am Strande entlang einer- oder beiderseits längs eines Pfades aufgestellt sind. Die Häuser entsprechen etwa einem Zelt mit Seitenwänden, letztere werden durch Pfosten von 1^2 bis 2 m Höhe dargestellt, die „Türen" sowie die „Fenster" dazwischen können durch äußerst praktische, luftige und doch wetterfeste Jalousien aus verflochtenen Kokosblattfiedern geschlossen werden. Türen und Fenster als realer Begriff gibt es nicht, ebensowenig wie Tische und Stühle im Hause; man kann überall einsteigen. Die Hauspfosten — zehn bis vierzig, je nach Größe und Bauart der Hütte — tragen mit mehreren zentralen Säulen das kunstvolle ovale oder gestreckte Dach, dessen aus gebogenen Stangen, Sparren