Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1911)
Seite
196
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196 Deutsch-Südwestafrika. LTTLLLTELLLLLCMLLtzLS-'

licher Kultur geschaffen und unterhalten hat. Dies ist die Tätigkeit der pro­testantischen Mission, die auch hier seit längerer Zeit begonnen hat, und die in diesem Lande von finnischen Sendboten gehandhabt wird, unter denen sich manch verdienstvoller Mann und verschiedene gute Kenner des Landes befinden.

Hl. Das Lereroland.

Das südlich von der oben angegebenen Grenzlinie beginnende Hereroland ist selbst in seinen nördlichen Strichen als außertropisches Gebiet zu bezeichnen. Sogar in der Meereshohe wie in dem landschaftlichen Charakter dieser Grenz­gegend spricht sich ein Unterschied aus. Die Landschaft im Westen der lang­gestreckten Outjo-Sandsteinterrassen liegt bereits 1100 bis 1200 m über See, und nur im Osten sehen wir zwischen höheren Flüchen die sehr breite Senke eines Regenflusses von nur etwa 1000 m Höhe in südwestlicher Richtung tief in das zentrale Gebiet eingreifen. Dann aber findet ein immer stärkeres An­steigen auch der ebenen Flächen statt, und besonders das südliche Hereroland stellt eine Reihenfolge von außerordentlich hohen und mannigfaltig gestalteten Landschaften dar.

Richten wir unseren Blick noch einmal auf die nördliche Hälfte dieser nach dem Kasfernstamme der Owaherero benannten Länder. Für einen sehr großen Teil, etwa für die ganze Westhälfte dieser bis ungefähr zum 21. Breitengrade nach Süden reichenden Gegenden gilt schon eine sehr beträchtliche Veränderung des äußeren Bildes, das dem Wanderer entgegentritt. Zwar, die äußere Form der Ebene ist im ganzen nördlichen Hererolande wenigstens im Innern durch­aus vorherrschend, allein es sind keineswegs überall die unbegrenzten Flach- landschasten, die ans wochenlangen Wanderungen kaum die kleinste Anhöhe im Gesichtsfelde des Reisenden auftauchen lassen. Im Osten, dessen größter Teil von einer riesigen, steinarmen Steppe, der sogenannten Omaheke oder dem Sandfelde, erfüllt ist, gilt zwar in bezug auf die äußere Form der Landschaft dasselbe, was wir bei der Schilderung des Aufbaues des Ambolandes aus­führten. Ganz anders aber in dem ungeheuren Gebiet, das sich westlich vom 18. Grad östlicher Länge bis zu den nach Westen zum Ozean absinkenden Gegenden erstreckt. Hier herrscht bereits eine nach Süden immer stärker hervortretende Änderung der äußeren Formen. Denn der uns geläufige Wechsel zwischen Berg und Tal vermag sich hier besonders in denjenigen Gegenden zu entwickeln, in denen das niedriger werdende Hochland nach der Küste hin abzusinken beginnt, und wo zur Seite der Flußtüler stehengebliebene Teile des Hochlandes als Tafelländer und Gebirgsvorsprünge dem Ganzen einen eigenartigen Sonderausdruck verleihen. Zu diesem Teile des Schutz­gebietes gehört namentlich das unter dem Namen des Kaoko bekannte Land, der äußerste Nordwesteu des außertropischen Süd Westafrika, in dessen ge­schützte Talgegenden an einzelnen Stellen zwar noch die Palmen des Nordens Vordringen, das aber, als Ganzes betrachtet, der europäischen Siedelung durchaus zugänglich sein dürfte.

In der Mittellandschaft überwiegt als Grundform der Landschaft eine Bildung, die wir am passendsten als Sockelebene bezeichnen. Denn wie auf einem riesenhaften Sockel erheben sich langgestreckte, das Hochland verschiedent­lich, wie das Etendekagebirge, um mehrere hundert Meter überragende Hügel­ketten, ferner vereinzelte oder zu Gruppen vereinigte Bergkuppen und endlich,