Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1911)
Seite
193
Einzelbild herunterladen
 

Der tropische Norden. 1YZ

Luft, berauch jetzt die ciqentliche Soinmerschwüle Zeit iu ihueu gelebt hat, weit scheuer erscheine» fehlt, die südwestafrikauischeu Hochländer trotz lassen, als die vom iippigsleu Pflanzcnwnchse ihrer dürftigen Pflanzenwelt dem, der einige strotzenden Niederungen der äquatorialen Gebiete.

n. Der tropische Norden.

Schon aus dem vorhergehenden, das Innere des Schutzgebietes in: all­gemeinen behandelnden Abschnitt wird der Leser entnommen haben, daß der äußerste Norden von Südwestafrika in vieler Beziehung nicht mit dem außer­tropischen, für europäische Besiedlung geeigneten Gebiet verglichen werden kann. Das ganze Gebiet, das man vom übrigen Lande sich durch eure vom Kap Frio nach dem Schnittpunkte des 20. Grades südlicher Breite mit der Ostgrenze unseres Schutzgebietes ziehende Linie getrennt denken kann, nimmt schon lediglich infolge seiner Meereshöhe mehr an dem Tropenklima des zentralen Afrika als an dem der außertropischen Gegenden der Kolonie teil. Schon die äußere Erscheinung der Landschaft in ihrer Höhenentwicklung zeigt, daß wir es hier mit einem geographisch ganz für sich zu behandelnden Gebiet zu tun haben. In einer ungefähren Meereshöhe von nur 1000 m breitet es sich aus, eine einzige, ungeheure Ebene von äußerst flacher Oberflächen­form, nur ganz selten von einer niedrigen Erhebung überragt, dagegen an manchen Stellen von ebenfalls nur wenig ausgeprägtes:, aber oft sehr aus­gedehnten Niederungsgebieten durchzogen, in deren einigen die selbst während der Regenzeit nur langsam fließenden größeren Wasserläufe der Nordgrenze dahinziehen. Eine solche, zeitweilig von niedrigem Wasser erfüllte, zu anderen Zeiten trocken liegende Niederung ist die große Salzpfanne, die unter dem Namen der Etosa- oder Etoschapfanne im mittleren Teile dieses Landes sich findet. Diese Beschaffenheit des Landes setzt sich fort bis an den mit dem eigentlichen Schutzgebiet in so gut wie gar keinem Zusammenhass ge stehenden Winkel am Sambesi, eine Abgrenzung, die zu dem Sonderbarsten gehört, was diplomatische Tätigkeit je zuwege gebracht hat.

Dies ist das Tropenland Südwestafrikas, dem alle Bedingungen fehlen, die man für eine europäische Siedlung stellen muß. Seine Meereshöhe ist zu gering, als daß selbst der Winter noch teil an den stärkeren Kältegraden hätte, die selbst im Hererolande eine regelmäßige Erscheinung genannt werden können. Eine vom Verfasser mit Hilfe eurer Korrektur aus fünfjähriges: Beobachtungsreihen erhal­tene Temperaturtabelle, die sehr gut zu den neuerdings gewonnenen Ergebnissen stimmt, ergibt folgende Werte für die einander entgegengesetzten Jahreszeiten:

Olukonda im Amboland, 18° südlicher Breite, 16^/4° östlicher Länge. Temperatur in Celsiusgraden: Jahr 22,0, November 26,1, Juni 16,0.

Daß der November hier der heißeste Monat ist, erklärt sich zu einem Teile aus dem Sonnenstände, wesentlich aber daraus, daß während des zweiten Hochstandes des Tagesgestirns die Regenzeit mit ihrer Abkühlung bereits stärker eingesetzt hat.

In diesem Gebiet dürften bereits eine Anzahl tropischer Knlturgewächse in Plantage:: gezogen werde:: könne::. Denn die mittleren Minima gehen hier selbst in den Wintermonaten kaum noch unter diejenigen zentralafrikanischer Binnengebiete herab; ja, was für de:: Pflanzer fast noch wichtiger ist, Fröste scheinen dem Lande schon zu fehlen. Wenigstens ist in der uns zur Ver­fügung stehenden Beobachtungsreihe ei:: einziges Mal in fünf Jahren eine niedrigste Temperatur von gerade 0° verzeichnet worden.

Das überseeische Deutschland.

13