Deutsch-Südwestafrika
Einleitung.
Geburtsjahr der deutschen Kolonialpolitik, das Jahr 1884, war auch j) für das südwestafrikanische Schutzgebiet das der Besitzergreifung. Ja, dies Land gab so recht eigentlich den Anstoß zu der neuen Bewegung; auf das Hinterland von Angra Pequena bezog sich jene berühmte Depesche des Fürsten Bismarck, welche zum erstenmal der Welt verkündete, daß ein überseeisches Gebiet unter den Schutz und die Oberhoheit des Reiches gestellt sei.
Lange hatte es gedauert, bis dies fernste unter unseren afrikanischen Ländern in engere Beziehungen zu Europa trat. Vier Jahrhunderte vor dem Beginn der deutschen Herrschaft waren einzelne Punkte der Küste von den heldenmütigen Seefahrern besucht worden, die im Namen des Königs von Portugal das alte Sagenland Indien auf dem Seewege zu erreichen suchten. Ihr Ziel nahm ihre Gedanken indessen so vollständig in Anspruch, daß die einsamen südafrikanischen Küsten sie nicht zu fesseln vermochten. Ja, auch als bereits hundertundfünfzig Jahre lang holländische Siedler am Kap der Guten Hoffnung saßen, gegen den Beginn des soeben verflossenen Jahrhunderts, konnte das Gebiet unserer heutigen deutschen Kolonie als gänzlich unbekannt gelten. Die ersten Reisen, welche uns wertvolle Aufschlüsse über ausgedehntere Landschaften brachten, wurden in den dreißiger und vierziger Jahren der erwähnten Periode ausgeführt, und dann erst beginnt auch für Südwestafrika eine Zeit, die immer schneller die Entschleierung des Innern förderte.
Es waren verschiedene Nationen, die in diesem Teile Afrikas an der Erforschung des Innern lebhaften Anteil nahmen. Schweden wie Andersson, Engländer in nicht geringer Zahl, namentlich aber Deutsche sehen wir zuerst die großen Züge der Landschaft festlegen; durch sie gelangten auch die ersten genaueren Nachrichten über die Tier- und Pflanzenwelt und vor allem über die Bewohner des Landes zu uns, und besonders sind es auf diesen Forschungsgebieten die Missionare, meist Mitglieder der Rheinischen Gesellschaft, denen wir die wichtigsten Mitteilungen verdanken. Namen, wie die eines Hahn und eines Rath werden in der Entdeckungsgeschichte des Schutzgebietes unvergessen bleiben, und wenn wir das Land zur Zeit seiner Erwerbung besser kannten als so manche andere Landschaft unter der neuen Kolonialflagge, so ist das nicht zum wenigsten das Verdienst dieser anspruchslosen und doch so tätigen Angehörigen der Mission.
Nicht lange nach der Erwerbung von Südwestafrika durch das Reich beginnt auch für dieses Gebiet die noch lauge nicht abgeschlossene Periode fruchtbringender Einzelforschung. Große Aufgaben, wie solche noch vor dreißig Jahren im Innern des tropischen Afrika ihrer Lösung harrten, waren ja selbst