Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1911)
Seite
160
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160 Kamerun.

Stationen ging von dieser Stelle aus; sie war es, die immer wieder auf die Notwendigkeit einer Bahn im Schutzgebiet hingewiesen hat, und die jüngste forstwissenschaftliche und -wirtschaftliche Expedition ist ihr Werk.

Ganz besondere Aufmerksamkeit wendet das Kolonialwirtschaftliche Komitee in weitschanender Voraussicht der Hebung oder, richtiger gesagt, der Einführung der Banmwollkultur zu.

1903 noch bezog Deutschland Baumwolle im Beinnhttiigen schon Erfolg gehabt, der sich in den, Werte von nicht weniger als 180 Millionen Mark wenn auch vorläufig noch bescheidenen Ansfnhr- vom Auslande. In Ostafrika nnd Togo haben seine Ziffern zeigt.

In Kamerun ist man über das Stadium der Versuche noch nicht hinaus, doch werden eben diese vom Komitee aufs tatkräftigste gefördert und unter­stützt: Samen, Anleitungen zu sachgemäßem Anbau und Präparation, Ma­schinen stellt das Komitee mit vollen Händen zur Verfügung. 1905 wurden zweiundzwanzig Ballen (aus der Bamumlandschaft) exportiert und mit 50 Pfennig das Pfund bewertet, 1906 498 im-Werte von 438 Mark aus der Kolonie ausgeführt (vgl. S. 49 u. 161).

b) Zukunftsarbeit.

Vor allem müssen wir uns darüber klar werden, was wir eigentlich von einer Kolonie wollten und wollen. Es ist das zum besseren Verständnis der weiteren Ausführungen notwendig; es ist sehr wichtig für die Beurteilung der Verwaltungsgrundsätze in einer Kolonie und namentlich der Behandlung der Eingeborenen.

Wir haben von überseeischen Gebietsteilen Besitz genommen:

1. um neue Absatz- und Umsatzgebiete für Industrie und Handel zu schaffen, Produktenländer zur Befriedigung der steigenden heimatlichen Bedürfnisse des Lebens nicht minder wie zur Beschaffung von Rohmaterialien für die verschiedensten Zweige der Industrie und der Gewerbe unter gleichzeitiger Unabhängigmachung von anderen Ländern zu gewinnen, sowie um die zu diesen Aufgaben hinausgegangenen Landeskinder nicht zu fremd gewordenen Konkurrenten der einstigen Heimat werden zu lassen,

2. um einem Bevölkerungsüberschuß, einer Übervölkerung, die nur dann als nationale Kräftigung bezeichnet werden darf, wenn ihr gesunde Ent­wicklungsmöglichkeit geboten werden kann, eben diese, in der Heimat sehr erschwerte, Entwicklungsmöglichkeit in Neuland zu geben, ohne daß dieser Menschenabfluß aufhört, dem Vaterlande zu gehören.

Wirtschaftliche und soziale Momente sind es demnach, die uns unsere Flagge auch über afrikanischem Land entfalten ließen. Also Vorteile, die wir für uns zu gewinnen hofften.

Nichts anderes!

Seien wir doch ehrlich gegen uns selbst und lassen die schöne Lüge fallen, wir gingen nach Afrika, um den Neger zu beglücken.Zivilisatorische Mission", kulturelle Mission", und wie die Phrasenschlagworte alle heißen, sie sind nichts als Mäntelchen um die einfache brutale Anwendung des brutalen Natur­gesetzes vom Recht des Stärkeren in Verbindung mit der des weiteren ehernen Naturgesetzes vom gesunden Selbsterhaltungstrieb.Der eine hat's, der andre braucht's; um derentwillen führt man Krieg." Um derentwillen erwirbt man sich auch Kolonien. Was wirkulturelle Aufgabe" nennen, hat der