Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1911)
Seite
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Die (eingeborene) Bevölkerung.

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Wenden wir uns nunmehr den friedlichen Beziehungen der Gemein­wesen zueinander zu. Sie gelangen zum Ausdruck in

k) Handel und Verkehr.

Nicht zum letzten waren hinwiederum sie Veranlassungen zu feindlichen Zusammenstößen, wenn die Handelseifersucht erwachte. Wir haben hier nur den Handelsverkehr der Eingeborenen zu betrachten und den mit den Weißen nur, soweit er eben nicht mehr davon zu trennen ist; jenem der Europäer, d. i. der Ein- und Ausfuhr, werden wir im letzten Abschnitt näher­treten.

Die Stämme der Bantu stehen, soweit sie nicht mit dem Europäer in Berührung gekommen sind, in Kamerun ausnahmslos noch auf der untersten Stufe der Handelsentwicklung: dem ausschließlich inländischen Verkehr, und zwar dem Kleinhandel von Stamm zu Stamm, von Dorf zu Dorf.

Durch den Weißen angeregt, haben sie aber, dank der dem Neger inne­wohnenden Sucht nach Erwerb, rasch den Vorteil erkannt, und rasch hat dann der Betrieb hohen Aufschwung genommen. Sehen wir von den für uns Weiße recht bedenklichen Zeiten des Sklavenhandels ab und bleiben bei der Gegenwart. Da sind es natürlich vor allem und seit alters diejenigen Stämme der Bantu, die an und nahe der Küste und den unteren Fluß­läufen saßen und sitzen.

Wenn man, zum ersten Male den Uns; hin- vollbeladcn mit Palinölfässern, Palmkerncn, Elfen- anfkvmmend, vvr den Dnaladörfern vvr Anker dein und Gummi Kanus, welche imstande fleht, und man sieht das rege Treiben ans dem sind, achtzifl bis hundert Leute zu sasscn, dann Wasser, man sieht ans allen Ecken und Enden, ans ist man fürwahr überrascht von der Grvstartifl- den in den Kamerunflns; mündenden Flüssen und keit, mit der hier bereits der Handel betrieben Krieks ein Kann nach denn anderen anstanchen, wird" ( 28 ).

Die Haupthandelsprodukte kennen wir schon von früher; die wichtigsten wurden eben erst wieder genannt; die vom Weißen gebotenen Gegenwerte finden wir im letzten Abschnitt aufgezählt.

Die ganze, oben geschilderte politische Zersplitterung brachte es mit sich, daß sich die Stämme, ja sogar fast deren einzelne Siedlungen mangels jeg­lichen Gemeinsinnes voneinander absonderten; freie ungehinderte Durchzüge gab es nicht, die Wahl der Wege in dem unwegsamen Gelände des Urwaldes ist beschränkt und begrenzt. So konnte es keinem Stamm einfallen, sich über seine Hinter- und Vordersassen weg mit einem anderen in Verbindung zu setzen. Kleine Tauschbeziehungen bestanden jedoch selbstredend von alters her; aber eben nur mit dem Nachbarstamm, der Nachbarsiedlung, und wehe dem, der es versuchen wollte, dieses Herkommen zu durchbrechen: das ist der Ursprung und das Wesen des Zwischenhandels.

Der bestand also zweifelsohne schon, bevor der erste Europäer seinen Fuß an das Gestade Westafrikas setzte; ganz wesentlich verschärft hat sich aber ebenso zweifellos dieses System durch das Erscheinen der Weißen an der Küste. Denn nun wachten die der neuen Erwerbsquelle zunächst sitzenden Stämme, in Kamerun also die Duala usw., mit größter Eifersucht darüber, daß kein Binnenstamm mit Überspringen eines der Küste näher wohnenden oder gar ihrer selbst sich unmittelbar mit den Europäern in Verbindung setzte: der Zwischenhandel bildete sich zu einer Z w i s ch e nh a n d e l s P e r r e aus. Mit zunehmendem Vorschieben der europäischen Faktoreien ins Innere haben sich naturgemäß auch dort dieselben Verhältnisse herausgebildet.