Die (eingeborene) Bevölkerung.
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führlichere Feind. Bezeichnend ist es, daß er allein religiös fanatisch ist, der Neger nie. Dafür ist er aber im Verkehr viel angenehmer, zurückhaltender, weniger bettelhaft, kurz von vornehmerer Gesinnung. Geldgierig und habsüchtig ist er wohl oft in demselben Grade wie jener, aber er kann sich bezwingen, zeigt es weniger" (31).
Wie in anthropologischer Hinsicht die Sud an ne ger als Mischvölker einen Übergang zwischen den Bantunegern und den Bewohnern der Sahara bilden, so nehmen sie, an ihrer Spitze die Haussa, die hier füglich in diese Charakteristik (ausgenommen ihre ausgesprochene Friedensliebe) miteingeschlossen werden können, auch in ethischer Beziehung eine vermittelnde Stellung ein. Wie sie sich aber äußerlich im wesentlichen als Neger präsentieren, so sind sie auch ihrem Wesen und Charakter nach mehr Neger. Doch besitzen sie eine Reihe der den Wüstenvölkern eigentümlichen Eigenschaften, welche ihnen eine unzweifelhafte Überlegenheit über die Bantu sichern.
In geistiger Beziehung müssen sie als geradezu hochstehend bezeichnet werden und haben einen Vergleich mit geistig gut entwickelten Vertretern der kaukasischen Rasse nicht zu scheuen.
Was Charakteranlagen betrifft, so besitzen sie die guten und schlechten Eigenschaften der ganzen Rasse.
Das aber haben sie vor den Bantu vor- Was aber besonders charakteristisch für die ans, das; bei ihnen die letzteren ivenigstens die Sudanstäniine ist, das ist die größere Neigung zu Kehrseiten vorhandene r guter sind. Raublust Zentralisierung, zur Bildung von Staatsverbänden und Eigensinn, Verschlagenheit, Hinterlist und — eine Eigenschaft, die den Bantunegern voll- Eitelkeit sind die Kehrseite der gleichfalls stark ent- ständig fehlt —; und bei nicht wenigen derselben wickelten positiven Anlagen: des Akutes und der ist es nicht nur bei der Neigung geblieben: tat- Ansdauer, der Klugheit und des Stolzes. Sic sächliche, sogar beträchtliche Reiche sind entstanden,- sind tätiger, energischer, znm Teil kriegerischer, erinnern wir uns nur an das von den Fnlbe zer- selbständiger. So finden wir denn auch bei ihnen triiniinerte Battarcich Fnmvina, das Kernland in hohem Grad Industrie und Handel entwickelt. Adamanas.
c) Bevölkerungsstärken*).
Überblicken wir vergleichend die anthropologischen und ethischen Eigenschaften der in Kamerun vertretenen Rassen und Stämme, so erkennen wir unschwer ein Gesetz der Steigerung der positiven Eigenschaften in beiden Richtungen vom Bantu- durch den Sudanneger und Haussa hinauf zum reinen Fnlbe; und erinnern wir uns aus der geschichtlichen Gruppierung dieser Völker ihrer derzeitigen Sitze, so sehen wir, daß diese Steigerung von der Küste an gegen das Innere statthat. Dieses Gesetz macht sich aber auch noch geltend nach zwei weiteren Richtungen, die in innerem wechselseitigen Zusammenhang mit den eben näher beleuchteten physischen und psychischen Eigenschaften der Bewohner Kameruns stehen: in der Zunahme der Kultur und der der Bevölkerung.
Einschränkend muß hierzu bemerkt werden einmal, daß dieses Gesetz hauptsächlich in der Richtung gegen Norden, also gegen das Herz des Sudan zu, sich bemerkbar macht, daß es natürlich keine ideal mathematische progressive Reihe ist, und endlich, daß es erst zu Gültigkeit besteht jenseits der Zone bereits länger währenden lebhaften europäischen Einflusses.
Der Küstenstrcifen dcS Nvrdteils mit dem in
ihn tief eingeschnittenen Kamernnästuar und den in dieses mündenden Flüssen und Wasserarmen bot von jeher den Europäern die günstigsten Landnngs- vcrhältnisse; im Süden rollt die vertehrsfeindliche Kalema an die offenen Flachküsten an. Dort um das Kamcrnnbeckcn herum gab es von jeher durch den Weißen etwas zu verdienen, früher durch Sklavenhandel, dann durch Landesprodukte,- zahlreiche Wasserstraßen münden in den gewaltigen
*) Vgl. hierzu auch S. 5 n. 6.