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Bd. 1 (1911)
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Erforschung und Erschließung. 7

Bei dieser Gelegenheit übrigens ein paar Worte über afrikanische Karten und Kartenlesen.

Man darf und kann an sie nicht annähernd dieselben Anforderungen in bezug ans Genauig­keit stellen, wie inan dazu von unseren heimischen Karten vielleicht unwillkürlich versucht ist. Es ist, gerade in Kamerun, gewiss ganz ausserordent­lich viel an Anfschlicssnngsarbeit geleistet worden, aber die zn erschliessenden Räume waren und sind zu gewaltig, als dass sic bereits unverrückbar topo­graphisch festgelegt sein könnten. Es gibt noch Landstrecken in Kamerun, die geradezu als uner­forscht bezeichnet werden müssen. Und wie vorerst noch für den geographischen Teil einer Karte Ka­meruns das Hcraklilsche Wort zn Recht

besteht in noch höherem Grade fast für de» vvlk- lichen.

Wenn wir da ans dem Kameruner Atlasblatt Bapöa, Baköko, Nnle, Mbnm, Tikar nsw. lesen, so dürfen wir »ns darunter keine geschlossenen abgegrenzten Gebiete vvrstellen,- es sind lediglich

Sammelnamen allgemeinster Art. Und über die Hunderte von weiteren Stammesnamen, von denen die Berichte der Forscher (für Spezialstudien höchst wichtig und interessant) wimmeln, hat uns der Kartenzeichner gottlob überhaupt in Unwissen­heit gelassen*).

Biele Stämme nehmen immer noch mehr oder minder grosse Verschiebungen ihrer Sitze vor,- die Namen der Ortschaften wechseln oft mit dem Lode des Häuptlings, nach dem sie vielfach benannt sind,- ein Wasserlanf führt verschiedene Namen, von jedem Völkchen, dessen Land er durchfliesst, anders benamst,- mehrere Orte führen gleichen Namen jnamentlich in Adama'na),- Orte werden verlegt oder verfallen nsw.

Dazu kommen dann noch eine mangelhafte oder negative Kenntnis der Sprache, Verwechslung von Gattungsnamen mit Eigennamen und direkt un­richtige oder sich widersprechende Erknndnngen.

III. Erforschung und Erschließung.

Deutschland besaß also nunmehr, 1884, eine Kolonie in der Ecke des Golfes von Guinea von Land und Leuten wußte es, wußte die Welt überhaupt vorderhand noch herzlich wenig. Gerade dieses neue Land gehörte zu den noch am wenigst bekannten und erforschten Gebietsteilen des dunkeln Kon­tinents. Eine wahrheitsgetreue Karte zeigte, den schmalen Küstenstreifen ausgenommen, nicht viel mehr als einen großen weißen Fleck.

Die Berichte über diesen Küstenstreifen, mit dem sich Kamerun an den Atlantik anlegt, reichen weit ins Altertum hinauf.

Hcrodotcrzähltim42.KapitelseinesIV.Buches: Meer ab nnd fuhren in das Südmccr. So oft Es ist klar, dass Libiicn vom Meere umflossen ist die Saatzeit kam, landeten sic, bestellten das Feld, mit Ausnahme des Teiles, der an Asien grenzt,- wo sie gerade waren nnd warteten die Ernte ab. dies hat Nechv, der König von Ägypten bewiesen" Wenn sie aber das Korn eingeheimst hatten, fuhren (600 vor Christus) . . .Er sandte phönizische sic weiter. Sie bogen nach Verlauf von zwei Jahren Männer ab, mit dem Befehl, ans der Heimreise im dritten durch die Säulen des Herakles nnd durch die Säulen des Herakles zn fahren nnd so gelangten nach Ägypten. Sie erzählten aber über das Nvrdmeer nach Ägypten znrückznkehren. was mir zwar nicht glaublich ist dass sie bei ihrer Die Phönizier segelten demgemäss ans dem Roten Fahrt um Libyen die Sonne zur Rechten gehabt."

Das wäre also die erste Umseglung Afrikas, bei der die Rückfahrt längs der Westküste statthatte, und die demnach auch an dem Gestade Kameruns vorbeiführte.

Der karthagische Flottenführer Hanno war es dann, der dem kühnen Zug seiner Ahnherren folgte; nur schlug er die umgekehrte Richtung ein. Im Tempel in Karthago legte er den auf Erztafeln eingegrabenen Bericht über seine Expedition nieder.

Er ist derart genau, dass man danach mit ziem- Auch wie weit der Vorstoss gegangen , lässt sich licher Sicherheit die einzelnen Punkte an der West- daraus folgern: Hanno ist wahrscheinlich bis in küstc Afrikas bestimmen kann, die die karthagische die Bai von Biafra gelangt und hat den Kamernn- F-lotte auf ihrer kühnen Fahrt angelaufen hat. berg gesichtet.

Seitdem kam keine Kunde mehr von jenen Gebieten.

Den Schleier, der das Geheimnis des dunklen Erdteiles dann so lange

*) Mir die beigegebene Karte Kameruns sei bemerkt, dass die Stammesnamen (Wüte, Mnsgn, Ka- nnri nsw.) in liegender, die politischen Landbezcichnnngen (Bornn, Adamana nsw.) in stehender Schrift eingetragen sind.