Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1911)
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I. Erwerbung.

us unscheinbaren, wenig versprechenden Anfängen ist unser Kolonial- > reich hervorgegangen. Das Geburtsjahr der deutschen Kolonial- Politik ist das Jahr 1884. Der erste Anstoß ging von Südwestafrika aus; auf das Hinterland von Angra Pequena bezog sich in erster Linie jene Erklärung" des Fürsten Bismarck, deren in den einleitenden Worten zu diesem Sammelwerk über unsere überseeischen Besitzungen Erwähnung getan ist.

In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts lag nach Verdrängen holländischer und dänischer Niederlassungen fast der ganze Handel an der Kameruner Küste in englischen Händen.

Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts begann auch das deutsche Handelshaus C. Woerman n in Hamburg kaufmännische Unternehmungen in Westafrika. Der deutsche Handel gewann an Ausdehnung, so daß Woer­mann 1868 am Kamerünfluß*) eine ständige Faktorei errichtete. Ihm folgten 1875 Iantzen und Thormählen mit gleichen Unternehmungen. 1883 war die größere Hälfte des westafrikanischen Handels bereits in deutschen Händen.

Mittlerweile hatte von seiten des Deutschen Reiches die Inangriffnahme aktiver Kolonialpolitik eingesetzt. Im Mai 1884 ging das KanonenbootMöwe" mit dem bisherigen Generalkonsul in Tunis, vr. Gustav Nachtigal, und seinem Begleiter Or. M ax B u ch n e r von Gibraltar aus in See: wie einst vor zweihundert Jahren des Großen Kurfürsten FregatteKur­prinz" deutsche Farben an die afrikanische Küste zu tragen. Kein besserer Mann hätte gewählt werden können als der berühmte und erfahrene Afrika­reisende, der diese seine letzte Ruhmestat mit dem Leben bezahlen sollte. Er starb als Opfer des tückischen Fieberklimas am 20. April 1885 auf der Rückreise.

Am Kamerunfluß erwarteten die deutschen Kaufleute mit begreiflicher Spannung das Eintreffen eines deutschen Kriegschiffes. Am 10. Juli war das britische KanonenbootGoshawk" in den Fluß gelaufen; dessen Kom­mandant setzte alle Hebel in Bewegung, die maßgebenden Häuptlinge Bell und Akwa von Unterhandlungen mit den Deutschen abspenstig zu machen. Die Lage wurde von Stunde zu Stunde bedenklicher.

Da brachte endlich am Abend des 11. Juni der ausgesandte kleine Küsten­dampferMpongwe" die Botschaft, daß er draußen auf der Barre ein Krieg-

*1 Die Betonung der Orts-nsiv.-Namen des Landes ist beim jeweils e r st in a l i g e n Vorkommen des Wortes im Text durch einen Akzent angegeben.