Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1911)
Seite
V
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Vorwort zur ersten Auflage.

ein Volk ist so unstet über die ganze Erde gewandert wie der ger­

manische Völkerstamm. Germanische Völkerwogen durchfluteten

Asien und Europa in vorgeschichtlichen Zeiten, aus denen wenig mehr als sagenhafte Berichte zu uns hereinklingen. Mit einem Wanderzuge führen sich die Germanen in die Weltgeschichte ein. Im Jahre 113 v. Ehr. erschienen ungezählte Scharen an der Donau und pochten an die Tore des Römerreiches. Es waren nordische Völker, die mit Weib und Kind und aller Habe ausgezogen waren, andere Wohnplätze sich zu suchen. Und neue Wanderzüge branden stets aufs neue gegen den immer morscher werdenden Wall des Cäsarenreiches all, jahrhundertelang; verschlagen Goten und Vandalen über das Mittelmeer bis an die Gestade Afrikas. Welchen Stammes sind die Massen, die in der Sturmflut der Völker­wanderung ganz Europa überschwemmen und hin und her wogend überziehen? Weitaus zum größten Teil Germanen.

Zwei Ursachen sind es, die unsere Ahnen von der heimischen Scholle in die weite Welt hinausführten: einmal die tief eingewurzelteuralt germanische Wanderlust", dann die Übervölkerung.

Und man könnte fast zur Ansicht kommen, jener Wandertrieb sei ein gütiges Geschenk der Natur, um sich leichter von der gewiß dem Ger­manen auch wieder so teuern Heimat losreißen zu können.

Die Stämme sind seßhaft geworden in den neuen Sitzen; erhöhte Bodenbewirtschaftung gestattete auch größere Dichtigkeit der Bevölkerung. Doch der Wandertrieb ruht nicht. Er treibt die Wikinger hinaus auf die See, über das Meer in ihren Drachen. An den Küsten des Mittelmeeres tauchen normannische Scharen auf und gründen neue Reiche.

Aber ein weiterer Beweggrund, die Heimat zu verlassen, tritt nunmehr hervor neben und über dem unsteten Zug, der diese nordische Welt- meerritterschaft hinausgeführt hat: religiöse Überzeugungstreue, ge­paart allerdings mit trotzigem Unabhüngigkeitsinn. Das Kreuz ward aufgerichtet, die Götter Walhalls erblichen vor ihm. Doch lange wollte das Volk nicht vom Glauben der Väter lassen, lieber vom heimatlichen Boden.Sie brachten Weib und Kind, Vieh und Waffen, Erde von der Stelle, wo der Opferaltar Odins gestanden, sie brachten auch die Hoch­sitzsäulen ihres väterlichen Hauses an Bord der Drachen und steuerten kühn dem wunderbaren Eiland zu, wo aus Gletscherspalten rotglühende Lavnströme brechen und unterirdische Feuer mächtige Säulen siedenden Wassers aus Schneegefilden hoch in die Lüfte steigen lassen."

Und gleich bei diesem ersten, geschichtlich verbürgten Auszug von nehmen wir immerhin das moderne Wort Kolonisten germanischen Stammes tritt uns entgegen, was sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte deutscher Kolonisation zieht: Kaum haben sie den Fuß