Lebenslauf
des cand. phil. Paul Leutwein.
Am 26. April 1882 wurde ich in Berlin geboren als Sohn des Oberleutnants und späteren Gouverneurs von Südwestafrika Theodor Leutwein. Die erste Erziehung erhielt ich im elterlichen Hause, sodann vom 11. Lebensjahre an im Kadettenkorps, wo ich im Januar 1900 das Abiturientenexamen bestand. Nach der üblichen militärischen Ausbildung erfolgte am 18. Januar 1901 meine Beförderung zum Leutnant im Inf.-Reg. 113 zu Freiburg i. Br. Im Sommer 1903 wurde mir ein einjähriger Urlaub .zum Besuche meines Vaters in Südwestafrika bewilligt, den ich zu Studienreisen in dieser Kolonie verwandte. Als im Januar 1904 diese Tätigkeit durch den Hereroaufstand unterbrochen wurde, trat ich als Kriegsfreiwilliger in die Schutztruppe ein und nahm 4 Monate lang am Hererokriege teil. Insbesondere machte ich den ganzen Zug Franke, die Operationen der Abteilung Estorff und diejenigen meines Vaters in den Ontjatibergen mit. Alle diese Züge führten mich wiederum weit im Lande umher. Wegen Krankheit in die Heimat zurückgekehrt, wurde ich ins Inf.-Reg. 61 nach Thorn versetzt. Für meine Feldzugsteilnahme erhielt ich den Kronenorden IV. Klasse mit Schwertern und andere Kriegsauszeichnungen. Trotz interessanter Kommandos konnten meine durch den Feldzug geschwächten Nerven das Militärleben nicht mehr ertragen und so nahm ich Ende 1907 als Kriegsinvalide meinen Abschied, um mich dem staatswissenschaftlichen Studium als Vorbereitung für eine spätere politische Tätigkeit zu widmen. Die Zeit bis zum Sommersemester 1908, in dem ich mich an der Universität Berlin immatrikulieren ließ, füllte ich mit praktischer Tätigkeit bei Arthur
Leutwein, Die Leistungen der Regierung usw. 9