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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
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der letzten Zeit eine wirksame Förderung in der Verkaufs­genossenschaft Grootfontein gefunden, wie überhaupt ein frisches und lebhaftes Gemeinschaftsleben die weissen Ansiedler des Be­zirkes beherrscht. Gegenwärtig wohnen ohne Einrechnung des Militärs 462 Weisse im Bezirk, von denen 279 Deutsche sind, neben denen eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Buren zu verzeichnen ist. Die eingeborene Bevölkerung setzt sich zusammen aus un­gefähr 800 Ovambos, 3800 Hereros, 2500 Bergdamaras, 300 Hotten­totten und 4000 umherstreifenden Buschleuten.

Der Sitz der Bezirksverwaltung befindet sich am

Platz Grootfontein.

Grootfontein und das etwa 90 Kilometer westlich gelegene Otavi wurden im Jahre 1884 durch eine Burenauswanderung besiedelt. Ursprünglich weiter nördlich bei Humpata sitzend wollten diese Buren sich unter Führung des Bastards Jordan nach Rehoboth durchschlagen. Einem Landerwerb in dieser Gegend stellten sich jedoch Schwierigkeiten entgegen. Die Buren zogen es deshalb vor, sich in einem von dem Ovambohäuptling Kambonde erworbenen Gebiete niederzulassen und hier eine selbständige kleine Buren­republik zu gründen, die sie zu Ehren des Premierministers der Kapkolonie Upingtonia nannten. Auch hier stellten sich jedoch Be­sitzschwierigkeiten ein. Der Oberhäuptling der Hereros bean­spruchte das Land, insbesondere die Gegend von Otavi für sich und erhob Einspruch gegen die Besetzung dieses Platzes sowohl wie gegen die von Otjawandatjongwe, wie Grootfontein vor der Burenniederlassung genannt wurde. Jordan wandte sich zur Klärung der Lage zunächst persönlich an Kambonde, aber er wurde bei seiner Anwesenheit in Omandongo im Ambolande ermordet. Die führer­lose Niederlassung von Grootfontein erbat und erhielt darauf 1 im Jahre 1885/86 den Schutz der deutschen Regierung. Zu einer be­sonderen Entfaltung ist weder diese noch die zweite, zehn Jahre später hier vor sich gehende Burenniederlassung gelangt. Diese zweite Gründung von Grootfontein als Burendorf war eine persön­liche Schöpfung des früheren Vertreters der South West Afrika Company, Dr. Hartmann, der in Grootfontein seinen Sitz nahm. Hier siedelte er 25 Burenfamilien eines aus Transvaal nach dem portu­giesischen Gebiete jenseits des Kunene ziehenden grossen Buren- treks an. Die Buren standen unter einemKommandanten Lom­bard, verhielten sich zunächst musterhaft und erklärten, als Leut-