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man über die Farm Otjisonjati nach dem gleichbenannten Hochplateau, auf dem die in neuerer Zeit eingehend explorierten Kupferminen von Otjisonjati liegen. Das Gebiet der Onjatiberge mit den zahlreichen kleinen Riviereinschnitten, mit dem dichten Baumbestand, mit der guten Weide und mit ausgezeichneten Wasserverhältnissen ist von seltenem landschaftlichen Reiz und wirtschaftlichem Wert. Gleich wertvoll ist das Gebiet an der Vereinigungsstelle des Okahandjariviers mit dem Swakop, das von Osona. Kilometerweit ist hier das Land mit prächtigen Weissdornbäumen bestanden. Die Fruchtbarkeit des Bodens machte früher die Gegend für die Hereros zu einem begehrten Platz; jetzt ist sie in Kleinsiedelungen und Heimstätten aufgeteilt. Ein gleichfalls von den Hereros bevorzugter Platz war Gross-Barmen am Zusammenfluss des Swakopos mit dem Otjihavera-Rivier, das von den Auasbergen her sich zwischen dem Komashochland einerseits und den Otjihavera- und Erosbergen andererseits hinzieht.
Den wirtschaftlichen Mittelpunkt des Distrikts bildet der Ort Okahandja,
seit 1. April 1907 Sitz einer selbständigen Distriktsverwaltung. Okahandja ist die Hererobezeichnung für eine kleine Sandfläche; die Vereinigung zweier Riviere mag für diese sonst wenig charakteristische Namensgebung bestimmend gewesen sein. Der Ort liegt am Westabhang eines Gebirgsstocks, jetzt Kaiser Wilhelmsberg genannt, in gut bewachsener Fläche. Als erster Deutscher hat 1827 der Missionar Schmelen den Platz aufgesucht und ihn damals Schmelensverwachting oder Schmelenshoop (Schmelens- hoffnung) genannt. Dieser Name und die Erinnerung an Schmelens vorübergehenden Aufenthalt wurden im Jahre 1844 wieder aufgefrischt, als von Windhuk her die Missionare Kleinschmidt, Hahn und Behm sich vorübergehend auf Okahandja niederliessen, um von hier am 31. Oktober 1844 den wenige Stunden westlich liegenden Platz Otjikango, den sie Neu-Barmen nannten, mit einer Missionsstation, der ersten im Hererolande, zu besetzen. 1850 machte Missionar Kolbe einen ebenfalls nur wenige Monate dauernden Versuch einer Missionsansiedlung in Okahandja. Otjikango entwickelte sich indessen, wenn auch unter grossen Schwierigkeiten, weiter. Die Gegend stand im Zeichen des Rassenkampfes der von Süden her verbrechenden Hottentotten und der von Norden nach Süden drängenden Hereros. 1870 kam es zu einem gewissen Friedensschluss zwischen dem in Okahandja sitzenden Oberhäupt-