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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
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den Distrikt. Ursprünglich haben in dem ganzen Gebiete Hotten­totten gesessen, und zwar westlich die Zwartbois, östlich die Rote Nation. Heute ist der Hauptbestandteil des Distriktes so­genanntes Bastardland. Die ersten Deutschen sind jedoch schon vor der Bastardzeit in die Gegend und vor allem auf den heutigen

Platz Rehoboth

gekommen. Rehoboth ist bereits mit dem 11. Mai 1845 in den Kreis deutscher Siedlungsstellen eingetreten, und zwar durch Rheinische Missionare. Der durch die Rivalität der Wesleyanischen Mission in Windhuk unmöglich gewordene Missionar Kleinschmidt Hess sich an diesem Tage in Rehoboth nieder. In Rehoboth sassen damals Hottentotten, die unter dem Häuptling Wilhelm Zwartboi vom Fischfluss aus bis hierher vorgedrungen waren. Der Stamm war etwa 1000 Köpfe stark. Nach Anlegung von Gärten und Er­richtung eines Missionshauses wurde 1847 die Kirche geweiht, aber im gleichen Jahre räumte eine schwere Fieberepidemie unter den Eingeborenen fürchterlich auf. Die Bevölkerung ergänzte sich jedoch wieder, da Teile der Roten Nation, eines unter dem Häuptling Oasib stehenden Hottentottenstammes, sich häufig auf Rehoboth nieder]iessen. Es folgten, wie üblich, Zeiten gegen­seitiger Fehde der benachbarten Stämme, die im Jahre 1864 be­drohlichen Charakter für den Platz Rehoboth insofern annahmen, als Jan Afrikaner, der Häuptling des vom Oranje her vorgedrunge­nen Stammes der sog. Afrikaner-Hottentotten, die Missionsstation vernichten wollte. Anfangs schien es, als ob das Verhängnis noch einmal vorübergehen sollte, aber der Ort war vor den andringenden Horden doch nicht zu halten, und so zog der Häuptling Zwartboi mit seinem ganzen Stamm und dem schwerkranken Missionar Kleinschmidt in der Richtung auf Otjimbingwe ab. Im Bett des Kuiseb wurde der Stamm fast aufgerieben; seine Reste sammelten sich auf Ameib und haben sich später nördlich nach dem Kaoko- felde, nach Franzfontein durchgeschlagen. Rehoboth war als Platz vernichtet. Einige Jahre später sollte Rehoboth auf völlig neuer Grundlage wieder erstehen. Südlich des Oranjeflusses sassen zahlreiche Bastardfamilien, Abkömmlinge von Buren und Hotten­tottenfrauen. Die Rheinische Mission hatte sie um die Plätze de Tuin und Pella gesammelt. Vor andrängenden Buschmännern mussten sich die Bastards von de Tuin unter Führung ihres Mis­sionars Heidmann im Juli 1868 zurückziehen. Sie gingen zunächst nach Pella. Aber auch Pella war bereits von den räubernden