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zu finden sein. Es steht zu erwarten, dass sich die Gegend sehr bald völlig von den schweren Schlägen des Aufstandes erholen wird, denn der Bezirk übt gerade auf die Kenner südafrikanischer Weidegebiete eine besondere Anziehungskraft aus, und wenn die Zahl der Siedler bisher auch noch nicht gross ist, so ist es jedenfalls das schlechteste Material nicht, was man hier findet. Eine ganz ausserordentliche Förderung würde der Bezirk erfahren, wenn eine Bahn Windhuk-Keetmanshoop ihn durchquerte oder wenn die bei Hanaus befindlichen Blaugrundstellen sich als diamanthaltig erwiesen.
Den Mittelpunkt und Hauptplatz des Bezirkes bildet der Ort Gibeon.
Schon der Name weist darauf hin, dass man es auch hier wie bei vielen andern Plätzen des Südens mit einer ursprünglichen Missionsgründung zu tun hat. Im Jahre 1862 kam als erster Deutscher auf diesen damals Kachazus genannten Platz der Missionar Knauer. Er und der Missionar Krönlein hatten mit dem Hottentottenhäuptling Kido Witboi, der aus entfernteren Teilen des Südens um 1850 in diese Gegend vorgedrungen war, wegen Duldung einer Missionsniederlassung verhandelt und waren nach Kachazus gewiesen worden. Sie fanden etwa 50 Hottentottenfamilien vor, eine gute Quelle und reichliches Gartenland, so dass die Niederlassung aussichtsvoll erschien. 1864 wurde jedoch die eingeborene Bevölkerung durch eine Pockenepidemie stark gelichtet und in den folgenden Jahren durch die Ueberfälle anderer Hottentottenstämme unter Oasib und Aimab fast aufgerieben. Erst dem Missionar Olpp gelang es 1868, den zersprengten Stamm wieder etwas zu sammeln. Obwohl sich die Rheinische Mission bis zum Jahre 1887 redliche Mühe gab, kam der Platz zu keiner nennenswerten Bedeutung. Die unter Moses und später unter Hendrik Witboi in und um Gibeon sitzenden Hottentotten führte ihr Drang, nach Norden in landschaftlich bessere Gegenden durchzubrechen, in jahrelange, unausgesetzt andauernde Kämpfe mit den Hereros, in deren Verlauf sie als nomadisierende Räuberbanden bald hier bald dort sassen. Gibeon war wiederholt völlig verlassen und wurde mehrfach von einzelnen bis hierher vordringenden Hererostreitkräften gebrandschatzt. Alles das wurde erst anders, als Francois und Leutwein in der Lage waren, mit bewaffneter Macht Hendrik Witboi zu Leibe zu gehen. Nach dem entscheidenden