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Eine Besiedelung der Landschaft hat noch nicht Platz gegriffen. Westlich der kleinen Kharrasberge verlaufen die Täler des grossen Fischflusses und des in ihn mündenden Konkip, an den sich westlich wieder die Huib-Hochebene, eine wirtschaftlich unbenutzbare, in den Bezirk Lüderitzbucht hinüber reichende, Tafelgebirgslandschaft anschliesst. Oestlich der grossen Kharrasberge führen die Täler des Geiab und Gaub in das Vilandergebiet, eine infolge ihres günstigen Grundwasserstandes für Farmwirtschaft gut geeignete Ebene. Die Gegend war ursprünglich Bastardland. Der Stamm der Vilander- (Vyrländer)-Bastards war von Pella, jenseits des Oranje, nordwärts abgewandert und hatte hier unter seinem Kapitän Dirk Vilander sich niedergelassen. Jede Familie erhielt ein grosses Weidefeld, Hauptplatz war das jetzt eine halbe Stunde jenseits der Grenze auf englischem Gebiete liegende Rietfontein, wo 1873 die Rheinische Mission von Keetmanshoop her auf Betreiben des Missionars Fenchel festen Fuss fasste. Die Bastardfamilien sind meist durch Buren abgelöst worden, die das Land gekauft haben, das gegenwärtig eine verhältnismässig dichte Besiedlung durch Weisse hat, so dicht, dass seit 1908 in dem Gebiete, und zwar in Klippdamm, eine deutsche Regierungsschule eingerichtet worden ist. Nördlich an das Vilandergebiet schliesst sich das ehemalige Land der Feldschuhträger-Hottentotten an. Von Leutwein 1894 durch Errichtung der Station Koes unter deutsche Einflusssphäre gebracht, steht die Gegend wirtschaftlich unter der Alleinherrschaft der South African Territories. Das gleiche gilt von dem südlich des Ortes Keetmanshoop in einem Halbkreis von Südwest nach Nordost sich erstreckenden guten Farmgelände.
Der Bezirk Keetmanshoop, dessen gegenwärtiger Entwicklungsstand noch gemeinschaftlich mit dem der Distrikte Berseba und Bethanien zu würdigen sein wird, hat einen wirklichen Wert erst durch die Bahn von Lüderitzbucht her erhalten. Ganz besonders gilt dies von der
Ortschaft Keetmanshoop.
Der Ort gehört zu den älteren Siedlungsplätzen des Landes und ist als Missionsstation im Jahre 1866 von Berseba aus durch den Missionar Johann Schröder ins Leben gerufen worden. Es sass damals in dieser Gegend, Zwartmorast genannt, der Hottentottenstamm des Häuptlings Zeib. Dem Stamm war schon 1850 von Missionar Hahn und später von Missionar Krönlein eine Missions-