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führte.*) Der Friede von Kaikfoiitein, den Leutwein am
27. Januar 1904 mit den Bondelzwarts schloss, brachte dem Ort und dem Distrikt nur kurze Zeit Ruhe. Der Stamm sammelte sich zwar unter Johannes Christian bald wieder in Warmbad und erhielt in Leutnant Graf von Kageneck einen von ihm selbst gewünschten Distriktschef, aber bei dem Abfall Wit- bois wurden die Bondelzwarts mit in den Aufruhr hineingerissen, in dem sie mit zäher Ausdauer bis zuletzt gekämpft haben. Wohl war es durch rasches Zugreifen des Majors v. Lengerke und des Hauptmanns von Koppy anfänglich gelungen, den Kapitän samt 70 der in Warmbad sitzenden einflussreichen Bondelzwarts festzunehmen und Warmbad zu besetzen, aber im April 1905 wurden die Gefangenen in missverständlicher Auffassung einer Proklamation Trothas freigelassen. Während des Feldzugs ist Warmbad oft der Sammelpunkt grosser Truppenmassen gewesen.**) Gegenwärtig ist der Ort noch Sitz einer Kompagnie und Stützpunkt für den äussersten Süden. Die Verwaltung des Ortes liegt wie die des Distrikts in der Hand eines Zivildistriktschefs, aber die Bevölkerung wird in kürzester Frist die Selbstverwaltung für ihren Platz erhalten. Eine Regierungsschule für Kinder der weissen Bevölkerung ist 1908 ins Leben gerufen worden, während die Rheinische Mission seit August 1907 ihre Tätigkeit wieder aufgenommen hat. Die katholische Mission, und zwar die Genossenschaft der Oblaten des heiligen Franz von Sales, besitzt seit etwa der gleichen Zeit ein Wohnhaus mit Schullokal. Das Schwergewicht des Ortes ist gegenwärtig noch nach der militärischen Seite hin zu suchen, aber auch wirtschaftlich hat der Platz seine Bedeutung, denn er liegt an der grossen, den Süden des Landes mit der Kapkolonie verbindenden Strasse und in der Einflusszone der Bahn Seeheim-Kalkfontein.
Nördlich von Warmbad setzt ein verhältnismässig ebenes Gebiet ein, bis zu den Kharrasbergen, die dem südlicheren Teile des Bezirkes Keetmanshoop im engeren Sinne seine Signatur aufdrücken. Die Kharrasberge sind zwei mächtige Gebirgsformationen: westlich die kleinen, östlich die grossen Kharrasberge. Bis zum letzten Feldzug war das Innere dieser Gebirgslandschaften nicht bekannt. Durch das mehrfache Vordringen der Truppe in das unwegsame Gewirr der Berge ist festgestellt worden, dass an vielen Stellen nutzbares Weideland vorhanden ist.
*) Vgl. S. 140 ff.
**) Vgl. S. 159 ff.