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Adamaua : Bericht über die Expedition des Deutschen Kamerun-Komitees in den Jahren 1893/94 / von Siegfried Passarge
Entstehung
Seite
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V. KAPITEL.

Von Yola nach Garua.

wei Wege führen von Yola nach Garua. Der eine bleibt auf dem Südufer des Benue und ist in der Regenzeit' sehr sumpfig; der andere setzt sofort auf das Nordufer über und ist trockener. Er wurde deshalb zu unserer Weiterreise gewählt. Am Morgen des 5. Oktober sollten sich die Leute in aller .Frühe ver­sammeln, sie kamen aber, wie immer, nur langsam zusammen und es wurde viel Zeit verloren. Der Headman der Lokodja- leute, Gombo, ein kleiner, aber herkulisch gebauter Mann, zog es vor, überhaupt nicht zu erscheinen. Wir waren über seinen Verlust nicht eben betrübt; denn abgesehen davon, dass er nur Haussa sprach und wir deshalb nicht direkt mit ihm verhandeln konnten, war er auch ein ebenso feiger als wühlerischer Patron. In Kassa kam er mehrmals mit thörichten Beorderungen, wie z. B. monatlicher Auszahlung.der Leute, und unsere Gewehre entsetzten ihn so, dass er noch am letzten Tage davon lief. Audu wurde zu seinem Nachfolger proklamirt. Gegen acht Uhr war endlich Alles zum Aufbruch bereit. Die Bewohner von Kassa hatten sich in Schaaren versammelt und rissen sich, zugleich mit unseren Leuten, wie die Aasgeier um die werthlosen Ueberbleibsel, wie alte Holzkisten, Flaschen, Packpapier, Patronen­hülsen und Anderes. Der hitzigste Kampf tobte aber um ein paar alte Hosen­träger, die ich als werthlos weggeworfen hatte. Der glückliche Sieger, ein Popomann, trug sie später stolz an Sonn- und Festtagen in Garua.

Der Marsch ging nach Norden über den Kassaberg zu einem unterhalb Kassa gelegenen Dörfchen, wo das Boot von der Hulk und einige Kanus die Ueberfahrt über den mehr als einen Kilometer breiten Strom bewerkstelligten. Einige Schwierigkeiten bereitete das Uebersetzen der sechs Pferde, die hinten an das Boot gebunden und mit Schlägen in den Fluss getrieben wurden. Im Wasser legten sie sich auf eine Seite, stöhnten, schnaubten und strampelten, so dass sie am Zügel und an der Mähne emporgezogen werden mussten. Halb todt erreichten sie das andere Ufer. Um halb drei Uhr Nachmittags war die Ueberfahrt beendet und bald nach drei Uhr setzte sich die Karawane