Druckschrift 
Adamaua : Bericht über die Expedition des Deutschen Kamerun-Komitees in den Jahren 1893/94 / von Siegfried Passarge
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

*> «*' t * mi'.- 'rr&ti&JSRjm

r-; .

d&xkä.?'.

IV. KAPITEL.

Kassa und seine Umgebung.

Nach dreitägiger Krankheit fühlte sich Uechtritz am Morgen des 8. September wieder fieberfrei, der Anfall war überstanden. Die Geschenke für den Sultan wurden definitiv geordnet. Freilich waren es nicht entfernt soviel, als v. Stetten oder gar Mizon dem Emir hatten bieten können, sondern nur ein Stück Gold­brokat, ein halbes Dützend Stücke weissen Brokats, ein Dutzend blauer, bunter und weisser Stoffe; rother Flanell und weisser Turbanstofif; zwei goldgestickte Burnusse, ein Schwert, ein Gebetteppich, weisse und bunte wollene Decken, Operngucker, Tarbusche, Rasiermesser, Achatringe, Korallenketten, Parfüms, Stofifnadeln, Strickseide, auch zwei Pistolensatteltaschen. Der Minister erhielt ähnliche Sachen, nur bedeutend weniger. Da der Akal zur Besichtigung der Ge­schenke nicht kam, schickte Uechtritz den alten Madugu nach Yola, durch den er jenem sagen liess, er werde morgen zur Audienz kommen.

Er ging denn auch am nächsten Vormittage (n. September) hinüber und kehrte erst am Nachmittag wieder zurück. Nach seiner Mittheilung hatte der Akal die Geschenke ohne Beanstandung angenommen. Der Emir aber hielt gerade eine Gerichtssitzung ab, begab sich nach derselben zur Tafel und bezähmte sich darauf ein Mittagsschläfchen. So hatte Uechtritz lange warten müssen. Die Audienz fand in demselben Hause statt, wie jene mit Wallace und Mizon, dauerte aber nur kurze Zeit. Nach der üblichen Begrüssung erklärte der Emir, er wolle als Erwiderung uns Pferde schenken; der Akal versprach seinerseits fünf Esel zu schicken. Am folgenden Morgen erschienen dann auch vier Mann mit einem alten rothen Gaul, den die Wunde auf dem Rücken zum Reiten unbrauchbar machte, als »vorläufiges« Geschenk des Sultans. Es hiess, zwei andere würden folgen. Wahrscheinlich hatte derselbe ein gutes Pferd geben wollen, der Akal es aber »umgetauscht«. Die vier Mann mussten natürlich jeder ein »Botenbrot« bekommen: ein Stück Zeug und ein Rasiermesser. Mit tiefer Verbeugung und beide Hände

Kopfleiste: Das Henuethal bei \ola von unserem Lager aus gesehen (nach Photographie).