Zeitschriftenband 
1 (1914) Landeskundlicher Teil
Entstehung
Seite
63
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Das Dschua-Becken oberhalb Madjingo.

Von Hauptmann Franz v. Elpons.

Die Expedition näherte sich von Osten, vom Ssanga aus dem Dschua. Am 6. März war die Ge­gend des Steilabfalles zur Dschua-Niederung, der die Ostgrenze des Beckens bildet, erreicht worden.

Dichter Urwald bedeckt hier die hügelige Hochfläche, hin und wieder traf man auf größere und kleinere Hochmoore, die sich nach Osten oder Norden entwässern. Nach Überschreiten einer etwa 1500 m breiten, völlig ebenen Fläche, zeichnete sich im dichten Busch ein Rand ab, von dem es steil in die Tiefe ging. Durch Ausholzen des Busches wurde eine Aussicht geschaffen. Jetzt bot sich dem Auge ein überraschend schönes Landschaftsbild: Von luf­tiger Höhe erblickte man unter sich den Urwald, der alles wie mit einem ungeheuer großen grünen Tep­pich bedeckte. Durch nichts wurde diese großartige Gleichförmigkeit unterbrochen, nur in südwestlicher j Richtung ragte die Kuppe eines Höhenzuges heraus, die zur Wasserscheide Dschua-Djaddie gehören mag. Eine über dem Urwald sich hinschlängelnde schmale Nebelbank schien den Lauf des Dschua an­zuzeigen.

Ein erfrischender Westwind ermöglichte an diesem Tage die prachtvolle Fernsicht; an den fol­genden Tagen war sie infolge eingetretener Wind­stille nicht mehr vorhanden. Die Dunstmassen der wasserreichen Niederung lagerten über den Bäumen.

Der Stufenrand dieses Hochlandes verläuft in nordsüdlicher Richtung. Der Abstieg führt über Sandsteinklippen und senkt sich terrassenförmig ab. Das Gehänge ist sehr wasserreich. Quellen und Rinnsale sieht man häufig. Diese Gewässer und die zur Regenzeit herabstürzenden Wassermassen haben zahllose kleinere und größere Schluchten in den Ab­fall gegraben. Nach halbstündigem Marsch hat man einen Höhenunterschied von etwa 120 m überwunden und steht auf der eigentlichen Dschua-Ebene, die unmittelbar am Fuße des Plateaus beginnt. Dieser noch etwas höher gelegene Teil der flachen Niede­rung steht in der trockenen Jahreszeit Januar bis März noch nicht unter Wasser. Sobald aber die Regenperiode beginnt, bildet hier das ganze Dschua-

Becken ein Überschwemmungsgebiet, das zu durch­schreiten nicht mehr möglich ist, und aus dem nur wenige Inseln herausragen.

Die im Dschua-Becken liegenden kleinen Wasser­scheiden, die in der Trockenheit noch gestatten, die Ouellgebiete der Flüsse auseinander zu halten, verschwinden in der Regenzeit. Wenn der Urwald nicht wäre, würde man den Anblick eines Sees haben, der sich mehrere Tagesmärsche weit um Madjingo herum erstreckt.

Vier Tage erforderte der Marsch durch dieses Sumpfgebiet vom Steilrand bis Madjingo. Immer wieder war man gezwungen, von der Kompaß­richtung abzuweichen, weil der Sumpf und das Wasser Tiefen hatten, die zu überwinden nicht mög­lich waren. Häufig wird ein Flußlauf als Marsch­straße benutzt, dessen sandiger Untergrund oder Uferdämme ein besseres Fortkommen gewähren, als dies in dem Überschwemmungsgebiet des Flusses möglich ist. Dort bilden die faulenden Pflanzen­reste mit der durchwässerten Humusschicht und den Bäumen mit ihren Stelzwurzeln derartige Marsch- | hindernisse, daß die Tagesleistung auf wenige Kilo­meter herabgedrückt wird.

Die Stärke der Humusschicht, die auf sandigem Urwaldgrund liegt, ist verschieden. Sie wächst, je mehr man sich dem Dschua und damit dem lange ; Zeit überschwemmten Gebiet nähert, wo den Sink- | stoffen bei geringem Strom Gelegenheit gegeben ist,

! sich abzusetzen.

Geht man in dieser Gegend zur Trockenzeit in einem Fluß entlang, so hat man rechts und links neben sich die hohen Wände einer mehrere Meter dicken Humus- oder Morastschicht, deren trügerisch grüne Decke man sehr schnell verläßt, sobald man sich ihr anvertraut hat.

In diesem fast ständig überschwemmten oder wie ein nasser Schwamm beschaffenen Gebiete tritt die Raphiapalme auf. Zuerst vereinzelt in Gruppen zwischen Laubbäumen, dann in großen Flächen und in prachtvollen Beständen, auch Ölpalmen sieht man darunter. Der Versuch, einen solchen Palmenwald