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Sitten und Gebräuche der Pangwe im deutschen Muni-Gebiet.
Von Hauptmann Johannes Abel.
Die Sitten und Gebräuche der Pangwe gelegentlich der Grenzvermessung festzustellen stieß auf große Schwierigkeiten, da die Pangwe uns zum großen Teil feindlich gesinnt waren. Auch wo dies nicht der Fall war, wird mir bei ihrem Mißtrauen manches Falsche mitgeteilt sein, da es mir bei der Kürze der für diese Forschungen zur Verfügung stehenden Zeit nicht immer möglich war, alles zu kontrollieren. Auch dadurch, daß ich mich eines Dolmetschers bedienen mußte, kann mancher Irrtum untergelaufen sein. Besonders schwierig war es, über die religiösen und Zaubergebräuche etwas Näheres zu erfahren. Veröffentlichungen früherer Reisender standen mir nicht zur Verfügung.
Bevölkerung. Das Land ist, abgesehen von kleineren Überresten anderer Stämme an der Küste, durchweg von Pangwe (frz. Pahouins) bewohnt. Der Name Pangwe ist nicht einheimisch, sondern von den Europäern eingeführt, vermutlich eine Verstümmelung des richtigen Namens „Fang“.
Die Bevölkerung bezeichnet sich als reine Fang und spricht auch allein nach ihrer Aussage das echte alte Fang. Sie dehnt sich nach Osten bis etwa zum Nkam-Fluß, also ungefähr bis zur Südostecke von Spanisch-Guinea, aus. Dort beginnen die Nturn- vStämme oder Betsi, welche, von Norden kommend, die Wohnsitze der Pangwe einnahmen, als letztere mehr zur Küste hinzogen. Die Ntum haben sich strichweise mit den Pangwe gemischt; die Betsi rechnen sich zwar auch zu den Fang, sprechen aber nicht mehr die reine Fangsprache. Die Verständigung zwischen beiden Stämmen macht bereits Schwierigkeiten. Die Betsi oder Ntum bilden mit der Bevölkerung Südkameruns einen Sprachstamm und sprechen den Südkameruner Dialekt. Im nachfolgenden soll der übliche Name Pangwe für die echten Fang beibehalten werden.
Die Pangwe sind ein Bantustamm, der im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts aus dem Innern bis an die Küste vorgedrungen ist, die einheimische Bevölkerung verdrängend und vernichtend bzw. sie in sich aufnehmend. Überbleibsel der Zwerg- stännne konnten von mir nicht festgestellt werden.
Die Sprache der Pangwe ist ein Bantudialekt mit verhältnismäßig vielen gutturalen Lauten. Das g ist von uns kaum zu sprechen, es ist ein Mittellaut zwischen r und g, das k wird mit leichtem r Vorschlag gesprochen, auch ein Buchstabe, wie das englische th gesprochen, findet sich.
Die Bevölkerungsdichte nimmt nach dem Innern ständig zu. Sie beträgt im Grenzgebiet 2 bis 3 Köpfe auf den Quadratkilometer.
Stammesorganisation, Die Pangwe zerfallen in zahlreiche Unterstämme, jedoch bildet die eigentliche politische Organisation die Familie bzw. die aus mehreren Familien sich zusammenschließende Dorfgemeinschaft, die unter einem Häuptling und einem Unterhäuptling steht. Die Häuptlingswürde vererbt sich in der Familie. An erster Stelle erben sie die Brüder, dann die Söhne.
In Kriegszügen schließen sich die Dorfgemeinschaften eines oder auch mehrerer Unterstämme zusammen. Die Unterstämme wohnen weit auseinandergezogen durcheinander. So gibt es „Efak“- Dörfer von der Küste bis zur spanischen Ecke.
Die bekanntesten der Unterstämme sind: Efak, Ojek, Bekue, Nge, Jewang, Ntum, Abö, Jembiang, Ukomessang, Jengui, Essesis, Esseawong. Von diesen sind die Ojek, Efak, Bekue noch als Kannibalen verschrieen. Auch gelten sie als die rauflustigsten und den Europäern am meisten feindlich gesinnten Stämme. An den kriegerischen Unternehmungen gegen die Grenzexpedition waren im Fanggebiet die Efak, Ojek und Nge beteiligt.
Die einzelnen Unterstämme haben kein gemeinsames Oberhaupt. Alle Familienoberhäupter bzw. Dorfhäuptlinge betrachten sich als souverän. Doch gelingt es intelligenteren Häuptlingen, die die Bevölkerung eines starken Dorfes hinter sich haben, einen besonderen Einfluß in ihrer Gegend zu gewinnen.
Die Ojeks sollen sich bei einem Angriff auf den früheren französischen Posten Etum in der Stärke von 400 Gewehren versammelt haben.
Die stärksten von uns festgestellten Dörfer hatten annähernd 200 Krieger, versammelt waren j bei Ankunft von Europäern bis über 300 Mann mit | Gewehren.
| Wohnstätten. Die Dörfer, 1 ) meist an
j Flüssen gelegen, bilden ein langgestrecktes Recht- j eck mit einer einzigen, 3 bis 5 m breiten Straße.
! Die Kopfenden sind durch die stark befestigten Ver- | sammlungshäuser abgeschlossen. Die Häuser bil- I den ebne ununterbrochene Reihe, der Zwischenraum ! zwischen dem letzten Haus und dem Versammlungshaus ist mit Pallisaden ausgefüllt. Zuweilen finden sich auch noch in der Mitte des Dorfes Vcr-
J ) Abbild. 22 bis 26.