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1 (1914) Landeskundlicher Teil
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3. Das kristalline Gebiet. !

Mit dem Überschreiten des unteren Endüja hört ! die Ausbreitung der Sedimentgesteine auf, soweit der Mangel an Aufschlüssen und die Mächtigkeit der Yenvitterungsdecke die Beobachtung möglich macht. ; Das Gebiet des zentralafrikanischen Sockels beginnt j mit seinen typischen Gesteinen, vorherrschend Gra­nite, seltener Gneise und dunkle Eruptivgesteine (Amphibolite, soweit es sich mikroskopisch fest­stellen läßt). Die exakte Bestimmung mußte vor­läufig ebenfalls zurückgestellt werden. Bisweilen j treten .Quarzbänke von großer Mächtigkeit auf, wie | denn überhaupt der Granit und der Gneis sehr quarz- j reich zu sein scheinen. Die Gesteine sind von einer j Yerwitterungsdecke eingehüllt, die nirgends die rote Lateritfarbe zeigt, sondern in der Regel oker­gelb gefärbt ist. Ihre Mächtigkeit wechselt stark, an manchen Stellen ist die homogene Schicht mit den über 3 m tiefen Wildfallgruben noch nicht j durchsunken, dann wieder ist sie dünn und mit Ge- j steinsbrocken durchsetzt, und fehlt auch schließlich stellenweise ganz. Blockfelder sind nicht selten, und oft ragen aus den allgemein sanften Rückenformen Eelsklötze mit senkrechten Wänden empor. Die chemische Verwitterung hat häufig besonders cha­rakteristisch an moosbewachsenen Blöcken Karrn- ! formen herausgearbeitet. j

Dieses geologisch einheitliche kristalline Ge­biet zeigt morphologisch verschiedenes Gepräge.

a) Das Gebiet östlich des Endüja- Unterlaufes bis zur Wasserscheide zwischen Endüja und Mbei. ,

Auf dem in der letzten Zeit von den Franzosen ausgebauten Weg am linken Ufer des Endüja öffnet sich hin und wieder ein Blick nach Osten. Auffallend i steile Bergkegel werden sichtbar, und wenn man - flußaufwärts geht, befindet man sich kurz hinter dem französischen Posten Medege, in einem stark zer­rissenen Bergland, in das der Endüja tief eingebettet ist. Mit steilen Hängen treten die Höhen an den schäumenden Gebirgsfluß. In seinem Bett liegen gewaltige Felsblöcke, die er umstrudelt. Sein Ge­fälle ist völlig unausgeglichen 1 ) und ganz erheblich steiler als im Unterlauf, wo er von Medege bis zur Mündung durchschnittlich weniger als 1 m pro Kilometer fällt. Seine Tiefe variiert von Ort zu Ort mit der Breite des Bettes; sie betrug am Ende der kleinen Wintertrockenzeit bei Mewane noch 2 m. Sein Lauf ist auffallend gebrochen. Bald fließt er nach NNW, bald nach SSW, und erst sein Unter­lauf zeigt eine stetigere Richtung nach NW. Er empfängt seine Hauptzuflüsse aus NNW. Bei dem

starken Gefälle ist eine Versumpfung recht selten, und die Nebenarme der Hochwasserzeit sind schmal und scharf eingerissen.

Einen Überblick konnte ich vom Mwolensok, einem steilen Fels, dicht nördlich des ehemaligen Postens Atokndame, gewinnen. Mit senkrechten, zum Teil unbewachsenen Hängen erhebt sich un­weit hinter dem Stationshaus dieser Amphibolit- block. Der Blick 1 ) ist nur nach Süden und Westen frei, und so weit man sehen kann, dehnt sich ein unruhiges Bergland aus. Steile Kegel wechseln mit sanften Rückenformen, stets ist die Gipfelhöhe ver­schieden, schroff sind die Täler.

Nach den vorläufigen Barometerberechnungen wechseln die überschrittenen Höhen zwischen 200 und 700 m. Letztere Höhe erreicht allerdings nur die Wasserscheide, die das Endüja-Systcm von den Zuflüssen des Mbei trennt. Sie wird von einem Berg­zug gebildet, der zum Endüja mit einem deutlichen Steilrand abfällt. Ich überschritt ihn im Norden bei Nduja, westlich von Eworedule, westlich der Dorf­stelle Assok, und weiter im Süden östlich Nkan, wo der Rücken von den Eingeborenen den bezeichnen­den Namen Nkol Ferga (Böser Berg) erhalten hat. Das Einzugsgebiet des Endüja stellt sich somit als stark zerfurchtes Randgebiet einer weiter östlich beginnenden Hochfläche dar, von der sie durch eine Höhenstufe getrennt ist.

b) Das Einzugsgebiet des Mbei.

Waren bisher die Gipfelhöhen durchaus ver­schieden, so ist nach dem Überschreiten der Wasser­scheide eine Hochfläche unverkennbar. Die spär­lichen Blicke, die sich gerade von der Wasserscheide aus bieten, zeigen, daß die Gipfel durchschnittlich die gleiche Höhe besitzen, die von 700 m im Norden sich auf 600 m im Süden senkt. Bergkegel sind selten, meistens sind die Höhen plateauartig, und der schmale Pfad führt oft längere Zeit ohne nen­nenswerte Senkung oder Steigung auf der Hoch­fläche hin. Am deutlichsten tritt der den Rand­partien unserer Mittelgebirge sehr änhliche Charak­ter der Oberflächenformen nördlich des Zusammen­flusses von Bingil und Mbei in Erscheinung. Dort war gerade eine neue Eingeborenenfarm angelegt, und so konnte man auf das über 150 m eingesenkte 1 al des Mbei sehen. V-förmig ist dort der breite I'luß in eine ebene Hochfläche eingeschnitten. Steil sind die Uferhänge des Mbei und seines Hauptzu­flusses des Bingil. Der Charakter der Flüsse ist durchaus der gleiche wie der des Endüja-Oberlauf. Reißende Strömung und Wasserfälle verhindern die Befahrung des wasserreichen Mbei, dessen tiefe

a ) Abbild. 58.

b Abbild. 50 und 51.