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liehen Dörfer eingestreut sind, verleiht dem 400 km langen Streifen ein außerordentlich gleichartiges Gepräge, und dennoch sind gewisse Unterschiede in dem Landschaftsbilde unverkennbar. Diese Unterschiede in der Oberflächengestaltung beruhen bei dem relativ gleichen Klima auf dem geologischen Aufbau und der allgemeinen Lage einzelner Gebietsteile zu den Flußsystemen. Wenn nicht der dichte Urwald jeden Blick in die Ferne unmöglich machte, würden die verschiedenen Landschaftstypen, die sich aus den zahlreichen Einzeleindrücken der mühseligen Wanderung zu einem Gesamtbilde zusammenschließen, viel unmittelbarer empfunden werden. Diese natürlichen Landschaften sind keineswegs scharf von einander geschieden. Fast unmerklich vollzieht sich oft der Übergang. Die Grenzen sind verwischt, und wir scheiden nur, um gruppieren zu können.
1. Die Mangrovenküste.
Mangrovensümpfe 1 ) bilden in der Monda-Bucht einen breiten Küstensaum, aus dem sich einzelne Hügel anstehenden Gesteins wie Inseln sanft und nur zu geringer Höhe (10 bis 20 m über den Meeresspiegel) herausheben. Brakwasser führende Krieks, 2 ) die sich oft lagunenartig erweitern, und — besonders deutlich auf der französischen Gabun-Halbinsel in der Nähe von Akandakap — untereinander kommunizieren, durchschneiden sie. Es sind die einzigen Zugangswege zu den Siedlungen, die weiter im Innern und an der Küste auf den Hügeln angelegt | sind, denn der zähe, schwarze, stinkende Schlamm, durch das wirre Netzwerk der Mangrovewurzeln gehalten, macht jeden Versuch einzudringen fast zur Lhimöglichkeit. Als wir zur Einmessung des dem Monda-Berg gegenüberliegenden Akandakap eine Basis ausschlagen mußten, war es nur durch die Anlage eines Knüppeldamms möglich, ihn zu begehen, streckenweise konnten wir uns bei der Ausmessung nur dadurch vor dem langsamen Versacken schützen, daß wir im Liegen arbeiteten. Zur Flutzeit sind diese Sümpfe weithin überschwemmt. In den Krieks macht sich das steigende Wasser oft bis in ihr Quellgebiet hinein bemerkbar. Dieses liegt verschiedentlich in so geringer Höhe über dem Miln- ! dungsniveau, daß Strecken, die zur Flutzeit durch- i aus befahrbar sind, zur Ebbezeit fast völlig trocken liegen. Nur in der Mitte des Bettes rieselt dann ein kleines Wasser. Mit steigender Flut strömt dann das Wasser aus dem Mündungsgebiet in das Quellgebiet zurück; dadurch entsteht eine dauernde Vermischung mit Salzwasser, das den Mangroven die Lebensmöglichkeit gibt. Mit der Grenze des land
b Abbild. 41 und 42. — 2 ) Abbild. 43 bis 46. j
einwärts gerichteten Flutstromes ist auch die allgemeine Grenze der Mangroven gegeben. Sie werden kleiner und verkümmert, begleiten die Wasserläufe noch in einem schmalen, oft unterbrochenen Streifen und hören schließlich ganz auf. Die mächtigste Entwicklung zeigen die Mangrovenwälder am Mittellauf der Krieks. Dort erreichen die Stämme, die auf dem oft 3 m hohen bizarr verästelten Wurzelgerüst aufsitzen, Höhen von 20 m. Wie Tau werk hängen die langen geraden Luftwurzeln, die sich hin und wieder schirmartig teilen, aus allen Ästen herunter in das schlammige Wasser. A11 den Innenseiten der Flußkrümmungen schieben die Mangroven sich ständig gegen den Fluß vor, während an den Prallstellen der Schlamm weggerissen wird und damit manche Bestände nach und nach zum Absterben kommen. An diesen Konvexseiten der Flußbögen tritt auch das anstehende Gestein zuerst an die Krieks heran. 1 ) Dort sind die Landungsstcllen und Siedelungsmöglichkeiten:
Die Tiefe der Flußbetten ist unregelmäßig und nimmt keineswegs kontinuierlich von der Quelle zur Mündung zu. So wird der Guandsch-Kriek bei dem verlassenen Dorf Assok von einer Barre aus Tonschiefer durchsetzt, 2 ) die bei fallendem Wasser über dem Wasserspiegel liegt. Derselbe Kriek ist an der Mündung 4I4 1 m tief, während etwa 1 km oberhalb 7 bis 8 m gelotet wurden. Da an der Mündung kein anstehendes Gestein angetroffen wurde, so deuten diese Verhältnisse eine Barrenbildung an, wie sie die meisten westafrikanischen Flüsse bei ihrem Eintritt in das Meer aufweisen. Die Sedimentation solcher Bänke erfolgt dort, wo das ausströmende Flußwasser mit der Brandungswoge zusammentrifft, und die geringe Höhe der Mündungsbarren in der Monda-Bucht ist wohl auf die geringe Brandung in der geschützten Bucht zurückzuführen. Das durch die Stromumkehr immer wieder aufgerührte Wasser führt große Mengen suspendierten Schlammes mit sich, und da dem ausströmenden Wasser keine starke Brandungswoge entgegentritt, wird der Schlamm weit in die Bucht hineingetragen. Vor allem zu beiden Seiten der Flußrinne setzt er sich deltaartig in Muddbänken ab. Zur Ebbezeit liegen diese Bänke zum leil über dem Wasserspiegel und werden von langsam sich seewärts ausbreitenden Mangroven befestigt. Man trifft deswegen an der Küste selbst vorwiegend junge, niedrige Bestände.
Die aus den Mangrovensümpfen aufragenden Hügel bestehen aus ausgelaugter Lateritschlacke (Monda-Berg), ;; ) rotem Sandstein (Mbafan usw.) und wechsellagernden Kalken und Tonschiefern. Bei
fl Abbild. 46. — 2 ) Abbild. 59. — 3 ) Abbild, r.