Die Monda—Dschua-Grenzexpedition
(Verlauf, Technisches, Landeskunde, Eisenbahn).
Von Hauptmann Johannes Abel.
Am io. Oktober 1912 traten die Mitglieder der Monda-Dschua-Grenzexpedition, Hauptmann Abel, Oberleutnant Trenk, Leutnant Freiherr v. Pranckh, Arzt Dr. Oberg, Geograph Dr. G e h n e und Techniker M ü 11 e r auf dem Woermann-Dampfer „Eleonore Woermann“ die Ausreise von Hamburg nach Kamerun an. Am 30. Oktober traf die Expedition in Duala ein. Hier stieß der Unteroffizier B i t z i n g e r von der Schutztruppe Kamerun zur Expedition. Der Feldwebel Seifert von derselben Schutztruppe hatte bereits einen Monat früher von Bordeaux aus mit einem Dampfer der Chargeurs reunis die Ausreise nach Libreville angetreten, um an der Mondabucht einen geeigneten Landungs- und Lagerplatz zu erkunden und vorzubereiten. Da auch die französische Grenzexpedition den Adjutant, späteren Unterleutnant D e b o s t auf demselben Dampfer mit dem gleichen Auftrag hinausgesandt hatte, so konnten D e b o s t | und Seifert gemeinsam ihre Aufgabe lösen. Bald | nach meiner Ankunft in Duala erhielt ich von Seifert ein Telegramm aus Libreville über die Lage des gewählten Lagerplatzes.
In Duala übernahm ich das von der Schutz- I truppe gestellte Begleitkommando in Stärke von 65 altgedienten Soldaten, von denen 15 zur Bewachung der Depots auf deutschem Boden bestimmt ! waren, da wir vertragsmäßig im Grenzgebiet nur 50 Mann verwenden durften. Wenn auch beabsichtigt war, unser Begleitkommando mit Rücksicht auf die kriegerischen Pangwes besonders stark zu j machen, so konnte nach einigen Abgängen und Ab- j zug der Depotbesatzungen doch nur jedem Europäer ein Begleitkommando von sechs Mann zugeteilt werden.
Das Löschen unserer Expeditionssachen aus der „Eleonore Woermann“ in Duala ging sehr langsam, trotzdem alle Expeditionsmitglieder und das gesamte Begleitkommando mithalfen. Erst am 8. November kamen die letzten Sachen aus dem Leichter und am 9. November wurde mit dem Re
gierungsdampfer „Herzogin Elisabeth“ die Weiterreise nach dem Ausgangspunkt der Grenze, der Monda-Bucht, angetreten. Mit uns fuhr der Assessor E 1 1 e s t e r , der den neuerworbenen Küstenbezirk übernehmen sollte. Noch am 9. November wurde Kribi erreicht, wo etwa 250 Träger für die Expedition bis 12 Uhr nachts übergenommen wurden. Sobald die Übernahme fertig war, trat die „Herzogin Elisabeth“ die Weiterreise an. Am 10. November nachmittags wurde die kleine idyllische Insel Elobey erreicht. Mehrere Geschäftshäuser, deren Zweigfaktoreien auf dem gegenüberliegenden' spanischen Festland liegen, haben ihre Hauptvertretungen in Elobey. Elobey liegt vor der Mündung des Muni-Flusses und schützt die Monda-Bucht gegen Nordstürme. Wegen des gefährlichen Fahrwassers mußten wir die Nacht vor Elobey liegen bleiben. Am nächsten Morgen ging es mit Vorsicht in die Monda-Bucht. Schon von weitem war das Lager auf dem 15 m hohen Monda-Berge x ) erkennbar.
Das Ausbooten der Leute und das Löschen der etwa 2000 Lasten bereitete große Schwierigkeiten, da nur zwei Boote zur Verfügung standen und bei Niedrigwasser ein der Küste vorgelagerter, etwa 200 m breiter Muddstreifen trocken fiel. Trotz aller Hindernisse war am 13. November, 6 Uhr vormittags, alles gelöscht. Die „Herzogin Elisabeth“ trat dann sofort ihre Rückreise an.
Ein Glück war es für uns gewesen, daß während des Löschens unserer Lasten, unter denen etwa 1500 Säcke Reis, Salz und Stockfisch waren, der Regen aussetzte. Der Reis bildete die Verpflegung der Expedition für etwa sechs Monate, und meine Hauptsorge mußte es sein, ihn zu konservieren, da nach den spärlichen Nachrichten über Land und Bewohner nicht auf größere Mengen Verpflegung aus dem Lande gerechnet werden kannte, und die Möglichkeit die Vermessung durchzuführen hauptsäch-
9 Siehe Abbild. 1 .