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1 (1914) Landeskundlicher Teil
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Eine auffallende Erscheinung- und angenehme Abwechslung der zwar ungemein üppigen, auf die Dauer aber einförmigen Uferbewachsung sind die zwischen Mvahdi bis E 5 a hin verstreuten Savan­nenflächen, die teils direkt bis an die Steilufer her­antreten, teils hinter einer dünnen Baummaske lie­gen und kilometerweit den Fluß begleiten, sowie zur Zeit des Neugrases das im Busch verstreute Wild anlocken.

Die Stromgeschwindigkeit war zur Zeit des Tiefstandes, in der die Erkundung ausgeführt wurde, eine sehr geringe und streckenweise mit dem Auge kaum erkennbar. Die auffallend dunkelbraune Fär­bung des Wassers erschwerte bei der Talfahrt häufig das rechtzeitige Erkennen vorhandener Hindernisse. Zahlreiche Anlagen (Reusen und Stauungen) weisen auf den großen Fischreichtum des Wassers hin, und behindern häufig die Schiffahrt. Französischerseits wird der Fluß aufwärts bis Massinegala mit Motor­booten (neuerdings baut man auch einen Fluß­dampfer von 15 t), und von da bis Madjingo mit größeren Kanus befahren. Zwei ausgedehnte Bam­buswaldungen auf dieser Endstrecke führen näm­lich eine Stauung des Wassers herbei, das sich nun­mehr in zahllosen, nur wenige Meter breiten Rinnen und Windungen durch das Dickicht hindurch­arbeitet und bereits der Fahrt in einem größeren Kanu oft bedeutende Schwierigkeiten und Verzöge­rungen verursacht. Erst unterhalb Viel wird der Lauf des Hauptflusses klarer erkennbar; seine Durchschnittsbreite von 40 m vergrößert sich nach Eba auf 50 m und bis 60 m nach Mvahdi zu; doch wechselt selbst auf dieser Strecke, wenigstens bis Zisok hin, noch häufig' die Schiffahrt zwischen dem Hauptarm und seitlichen Fahrtrinnen. Die Schnel­len von Repulars, wenige Kilometer oberhalb der Mündung bei Mvahdi, teilen den Wasserlauf in einen schmäleren südlichen und den nördlichen Hauptarm; zwischen beiden dehnt sich eine Klip­peninsel von etwa 30 m Breite, deren seitliche Fort­setzungen bei mittlerem und niedrigem Wasser­stand ein Umladen nötig machen, um die erleich­terten Fahrzeuge über das Hindernis zu bringen.

Auch hier war die Moskitoplage verhältnis­mäßig gering, weit empfindlicher dagegen die der zahlreichen Tsetse, die in geradezu raffinierter Weise jede Unaufmerksamkeit oder Öffnung der Kleidung benutzen, um an den unerwartetsten Stel­len ihren Stich anzubringen.

Der Wildbestand übersteigt, von den vorüber­gehenden Ansammlungen in den Savannenflächen

abgesehen, nicht den Durchschnitt der Buschver­hältnisse; nur eine einzige Elefantenspur wurde an­getroffen.

Wie bereits angedeutet, lockt der Fischreich­tum des Flusses selbst die entfernteren Ortschaften zum Fang dieses begehrten Artikels, der auch hier mit der anderenorts üblichen Rücksichtslosigkeit gegen den Nachwuchs betrieben wird. Alles wandert in den Topf, auch wenn die Beute nur Fische von Fingergliedlänge aufweist. Rechnet man die übri­gen Feinde der Fischwelt, die große Schar der Wasservögel, die unzähligen Krokodile jeder Größe und die gefräßigen Fischottern hinzu, so kann man sich nur wundern, daß noch immer ein so reicher Fischbestand vorhanden ist und auch dem Europäer zugute kommt. Enten und Tauben liefern eine weitere Bereicherung des Küchenzettels. Im übri­gen zeigt die Vogel weit eine besondere Reichhaltig­keit ihrer kleineren Vertreter, denen wieder zahl­reiche Vipern im dichten Ufergebüsch auflauern. Bei Niederwasser ist deshalb für die Fahrt nahe dem Ufer Vorsicht geboten; Fdelreiher wurden nicht ge­sichtet; allenthalben aber ließ der prächtig gefiederte Schreiseeadler seinen durchdringenden und fröh­lichen Sonnengruß erschallen.

Der Kudu-Sembe-Bezirk.

Zum Schluß noch wenige Worte über den mehr­fach erwähnten Kudu-Sembe-Bezirk. Fr umfaßt ein Gelände, das neben den erwähnten Lichtseiten der Ostecke unseres südlichen Neugebietes noch die Vorzüge einer seine Mitte durchquerenden Wasser­straße, sowie einer ansehnlichen Bevölkerung auf­weist. Im Vergleich zu seiner Umgebung ist dies Gebiet als ein reich besiedeltes und den besten Strichen Alt-Südkameruns gleichwertiges zu be­zeichnen. Die Einheitlichkeit und Urwüchsigkeit seiner Ssanga-Bewolmer, eines, wenn auch auf tief­ster Kulturstufe stehenden, so doch ungemein kräf­tigen, gesunden und selbstbewußten Stammes, die Geschlossenheit des Bezirks in sich und seine gün­stige Verbindung mit dem Außenhandel sind glück­liche Vorbindingungcn für eine erfolgreiche Fint- wicklung. In diesem schönen und fruchtbaren, gummireichen und relativ gesunden Berg- und Hügelland findet ein erfahrener und tüchtiger Be­zirksleiter eine überaus lohnende und befriedigende Aufgabe, sowie sichere Aussicht, die heutige keines­wegs ungünstige Verteilung von Licht und Schatten in unserem Neugebiet des Südens noch lichter zu gestalten.