Beständen großen Abbruch; das Fleisch verhandeln sie gegen Feldfrüchte an die längs des Dscha ansässigen Eingeborenen. Unter den allenthalben vertretenen Kautschukbeständen überwiegt hier die Kickxia, und zwar in der Niederung des Bandama-Unterlaufes in einer bislang noch nicht angetroffenen Reichhaltigkeit an Gummi und in Baumstärke.
Die Uaga-Mbaje-Niederung.
Ein weiteres Hauptinteresse beansprucht das Kakabeune-Gebiet nördlich Madjingo. Die Veranlassung zu dieser Erkundung waren nicht so sehr die wilden Gerüchte von der kriegerischen Haltung und Aufsässigkeit der dortigen Ssanga, von denen immerhin eine Störung der Vermessungsarbeiten am Madjingo - Bogen erwartet 1 werden konnte: tatsächlich waren sie friedlicher als ihr Ruf und hatten solchen Respekt vor der kame- runer Truppe, daß sie sogar den. Weg auf weitere Strecken hin gereinigt hatten; Führer und Verpflegung wurden anstandslos gestellt; teilweise erschienen sie ohne Waffen; immerhin war dauernd Vorsicht geboten. Größer noch war die Erwartung, einen Teil jenes Mittelstückes kennen zu lernen, das allen Nachrichten und Karten zufolge einen Tiefstand unter unserem Zuwachs auf der Südfront bilden mußte und auch tatsächlich) bildet, glücklicherweise aber nicht den tiefen Standpunkt einnimmt, den die Sumpfschraffierung des Kartenmaterials vermuten ließ. Da, wo letzteres beispielsweise ein ausgedehntes Niederungsbecken am Zusammenfluß von U^ga, Dschoa und Bila-Bila annahm, liegen in Wirklichkeit die Mba-Berge nebst Ortschaft gleichen Namens, eine der höchsten Erhebungen des ganzen Gebietes von Madjingo bis zu den Höhen von Suanke hinauf; ebenso fanden sich die bereits erwähnten ansehnlichen Kickxiabestände des Mböng- | Busches nebst der gleichnamigen Ortschaft auf einer 1 weiten Ausblick gewährenden Höhe mitten in dem als Überschwemmungsgebiet bezeichneten Raum. Zwar die eigentliche Grundfläche dieses Niederungsgebietes ist nur wenig zum Dschua-Fluß hin geneigt, und die Zerstörungen der Tornados im Verein mit der beispiellosen Fruchtbarkeit des Bodens tun das ihre, die vorhandenen und neu sich bildenden Abflußkanäle immer wieder zu verstopfen. Auf dieser Fläche aber reiht sich Hügelgruppe an Hügelgruppe,
50 m, 100 m und mehr hoch; zwischen ihnen breiten sich die Überschwemmungsgebiete und Sumpfniederungen aus, zum Teil erheblichen Umfangs, die die Gangbarkeit außerordentlich erschweren und den dortigen Bewohnern die örtliche Sicherheit ge- j währen, die ihre Stammesgenossen im Sembe-Kudu-
Bergland auf schwer zugänglichen Bergkuppen suchen. Jene Hügelgruppen aber sind die Träger der Wohnstätten und Farmen. Von den nachteiligen Einwirkungen der ungesunden Umgebung war verhältnismäßig" wenig zu spüren; allerdings war es gerade am Ausgang der Trockenzeit, wo kühle Nächte'mit sonnenklaren Tagen ohne auffallend hohe oder schwüle Temperaturen ab wechselten. Frische Brisen waren nicht selten, Nebel und Dunstentwicklung nicht übermäßig, ebensowenig, wie schon erwähnt, die Moskitoplage. Von der Schlafkrankheit war nichts bekannt. Die Bevölkerungsdichtigkeit bleibt, den Gesamtverhältnissen entsprechend, hinter der des mehrfach erwähnten Kudu-Sembe-Gebietes zurück. Der Anbau beschränkt sich auf Planten und Kassada. Der tiefe Kulturstandpunkt dieser Menschenfresser spiegelt sich in ihren Wohnungs-, Dorf- und Hütterverhältnissen wider. Unter den ansehnlichen Gummibeständen dürfte im Süden, trotz der erwähnten Ausnahme im Mböng-Busch, die Liane überwiegen. Alles in allem haben wir cs also auch hier keineswegs mit einem Gebiet zu tun, das die Note ,,wert- und aussichtslos“ verdiente.
Von Ngara-Binsam nach Ojem.
Der Marsch führte über Minkebe— : Dsika— - Mim webe nach Ojem. Allgemein war auf demselben ein westwärts zunehmender Kulturfortschritt festzustellen, der sich von Minkebe ab neben den ersten farbigen Händlern vor allem durch die größere Sorgfalt bemerkbar machte, die die Eingeborenen auf ihre Hütten, Ortschaften und schließlich auch auf die Farmenanlage verwandten. Ebenso wurde der Schmuck, namentlich beim weiblichen Teil, immer reicher, geschmackvoller und künstlerischer. Europäische.Stoffe waren verhältnismäßig noch spärlich vertreten.
An Stelle des Gummibaumes im östlichen Gebiet wurde, wie bereits erwähnt, westlich des Iwindo die Gummiliane vorherrschend, teilweise in so erfreulichen Mengen, daß beispielsweise in Malen, tief im Konzessionsgebiet, eine Firma ihr Glück allein auf die Erträge der Eingeborenenreservate stellen zu können glaubte. Besonders reiche Bestände wurden längs des Weges Minkebe—Dsika—Malen bis zum oberen Wolö hin angetroffen. Die ersten Erdnuß- und Maisfarmen fanden sich an den Ntem- Quellen, die ersten ülpalmen am oberen Wolö. Diese Straße scheinen auch die früheren Bewohner von Kol gezogen zu sein (vgl. oben).
Auch das Landschaftsbild ändert sich nach Überschreiten des Iwindo mit jedem Schritt westwärts zu seinem Vorteil; es beginnt ein Berg- und Hügelland, das bezüglich Höhe, Klima und seiner