Zeitschriftenband 
1 (1914) Landeskundlicher Teil
Entstehung
Seite
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Beständen großen Abbruch; das Fleisch verhandeln sie gegen Feldfrüchte an die längs des Dscha an­sässigen Eingeborenen. Unter den allenthalben ver­tretenen Kautschukbeständen überwiegt hier die Kickxia, und zwar in der Niederung des Bandama-Unterlaufes in einer bislang noch nicht angetroffenen Reichhaltigkeit an Gummi und in Baumstärke.

Die Uaga-Mbaje-Niederung.

Ein weiteres Hauptinteresse beansprucht das Kakabeune-Gebiet nördlich Madjingo. Die Veranlassung zu dieser Erkundung waren nicht so sehr die wilden Gerüchte von der kriegerischen Haltung und Aufsässigkeit der dortigen Ssanga, von denen immerhin eine Störung der Ver­messungsarbeiten am Madjingo - Bogen erwartet 1 werden konnte: tatsächlich waren sie friedlicher als ihr Ruf und hatten solchen Respekt vor der kame- runer Truppe, daß sie sogar den. Weg auf weitere Strecken hin gereinigt hatten; Führer und Verpfle­gung wurden anstandslos gestellt; teilweise er­schienen sie ohne Waffen; immerhin war dauernd Vorsicht geboten. Größer noch war die Erwartung, einen Teil jenes Mittelstückes kennen zu lernen, das allen Nachrichten und Karten zufolge einen Tief­stand unter unserem Zuwachs auf der Südfront bil­den mußte und auch tatsächlich) bildet, glücklicher­weise aber nicht den tiefen Standpunkt einnimmt, den die Sumpfschraffierung des Kartenmaterials vermuten ließ. Da, wo letzteres beispielsweise ein ausgedehntes Niederungsbecken am Zusammen­fluß von U^ga, Dschoa und Bila-Bila annahm, liegen in Wirklichkeit die Mba-Berge nebst Ortschaft gleichen Namens, eine der höchsten Erhebungen des ganzen Gebietes von Madjingo bis zu den Höhen von Suanke hinauf; ebenso fanden sich die bereits er­wähnten ansehnlichen Kickxiabestände des Mböng- | Busches nebst der gleichnamigen Ortschaft auf einer 1 weiten Ausblick gewährenden Höhe mitten in dem als Überschwemmungsgebiet bezeichneten Raum. Zwar die eigentliche Grundfläche dieses Niederungs­gebietes ist nur wenig zum Dschua-Fluß hin geneigt, und die Zerstörungen der Tornados im Verein mit der beispiellosen Fruchtbarkeit des Bodens tun das ihre, die vorhandenen und neu sich bildenden Ab­flußkanäle immer wieder zu verstopfen. Auf dieser Fläche aber reiht sich Hügelgruppe an Hügelgruppe,

50 m, 100 m und mehr hoch; zwischen ihnen brei­ten sich die Überschwemmungsgebiete und Sumpf­niederungen aus, zum Teil erheblichen Umfangs, die die Gangbarkeit außerordentlich erschweren und den dortigen Bewohnern die örtliche Sicherheit ge- j währen, die ihre Stammesgenossen im Sembe-Kudu-

Bergland auf schwer zugänglichen Bergkuppen suchen. Jene Hügelgruppen aber sind die Träger der Wohnstätten und Farmen. Von den nachteiligen Ein­wirkungen der ungesunden Umgebung war verhält­nismäßig" wenig zu spüren; allerdings war es gerade am Ausgang der Trockenzeit, wo kühle Nächte'mit sonnenklaren Tagen ohne auffallend hohe oder schwüle Temperaturen ab wechselten. Frische Brisen waren nicht selten, Nebel und Dunstentwick­lung nicht übermäßig, ebensowenig, wie schon er­wähnt, die Moskitoplage. Von der Schlafkrankheit war nichts bekannt. Die Bevölkerungsdichtigkeit bleibt, den Gesamtverhältnissen entsprechend, hinter der des mehrfach erwähnten Kudu-Sembe-Gebietes zurück. Der Anbau beschränkt sich auf Planten und Kassada. Der tiefe Kulturstandpunkt dieser Men­schenfresser spiegelt sich in ihren Wohnungs-, Dorf- und Hütterverhältnissen wider. Unter den ansehn­lichen Gummibeständen dürfte im Süden, trotz der erwähnten Ausnahme im Mböng-Busch, die Liane überwiegen. Alles in allem haben wir cs also auch hier keineswegs mit einem Gebiet zu tun, das die Note ,,wert- und aussichtslos verdiente.

Von Ngara-Binsam nach Ojem.

Der Marsch führte über Minkebe : Dsika - Mim webe nach Ojem. Allgemein war auf dem­selben ein westwärts zunehmender Kulturfortschritt festzustellen, der sich von Minkebe ab neben den ersten farbigen Händlern vor allem durch die größere Sorgfalt bemerkbar machte, die die Einge­borenen auf ihre Hütten, Ortschaften und schließ­lich auch auf die Farmenanlage verwandten. Ebenso wurde der Schmuck, namentlich beim weiblichen Teil, immer reicher, geschmackvoller und künst­lerischer. Europäische.Stoffe waren verhältnismäßig noch spärlich vertreten.

An Stelle des Gummibaumes im östlichen Gebiet wurde, wie bereits erwähnt, westlich des Iwindo die Gummiliane vorherrschend, teilweise in so erfreu­lichen Mengen, daß beispielsweise in Malen, tief im Konzessionsgebiet, eine Firma ihr Glück allein auf die Erträge der Eingeborenenreservate stellen zu können glaubte. Besonders reiche Bestände wur­den längs des Weges MinkebeDsikaMalen bis zum oberen Wolö hin angetroffen. Die ersten Erd­nuß- und Maisfarmen fanden sich an den Ntem- Quellen, die ersten ülpalmen am oberen Wolö. Diese Straße scheinen auch die früheren Bewohner von Kol gezogen zu sein (vgl. oben).

Auch das Landschaftsbild ändert sich nach Überschreiten des Iwindo mit jedem Schritt west­wärts zu seinem Vorteil; es beginnt ein Berg- und Hügelland, das bezüglich Höhe, Klima und seiner