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Bd. 3 (1896) Die Thierwelt Ost-Afrikas und der Nachbargebiete : Wirbelthiere / Hrsg. unter Redaktion von K. Möbius
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Das Sammeln der Krieehthiere.

Welche Reptilien und Amphibien braucht das Museum für Naturkunde zu Berlin jetzt noch aus Ost-Afrika?

Fast alle Sammler, welche aus Afrika Krieehthiere nach Berlin sandten, haben den Fehler gemacht, dass sie recht viele Arten zu sammeln bestrebt waren, aber möglichst wenige Vertreter dieser Arten einschickten. Der Grund­satz, nach welchem sie sammelten, lautete demnach: Viele Arten, wenig

Exemplare! Ferner berücksichtigten sie »gemeine« Arten nur wenig, denn, so überlegten sie, »die wird das Museum schon haben«. Beide Methoden des Sammelns sind falsch. Gewiss ist es gut, wenn viele Arten gesammelt werden, aber es darf nie auf Kosten der Artexemplare geschehen. Und gemeine Arten sind ebenso werthvoll wie seltene Arten und müssen in recht vielen Exemplaren gesammelt werden; aus folgenden Gründen:

Kein Exemplar einer thierischen Art stimmt mit seinen Artgenossen in allen Charakteren genau überein; jedes weicht vom anderen in etwas ab. Es besteht demnach jede Art aus einer Gruppe von sehr ähnlichen, aber doch durch kleine Unterschiede voneinander getrennten Individuen. Je häutiger eine Art ist, desto häufiger sind natürlicher Weise derartige Verschiedenheiten unter ihren Vertretern, und daraus folgt dann: Da selbst von den allergemeinsten ausländischen

Kriechthier-Arten noch lange nicht genügendes Material in europäischen Museen ist, sind gerade viele ihrer Varietäten für selbstständige Arten beschrieben worden. Der Zoologe in Europa aber muss trotz innerem Widerstreben diese »Bucharten« so lange in seinen Verzeichnissen führen, bis er durch mehr Ver­gleichsmaterial beweisen kann, dass sie nur »Varietäten« einer »Naturart« sind. Nun kann man aber ausserdem ohne Uebertreibung sagen, von keiner der ost­afrikanischen Kriechthierarten wissen wir genug und von den gemeinsten that- sächlich am wenigsten. Wieviel Arten der ganz gemeinen grünen Baumschlangen giebt es in Afrika? Wir wissen es nicht! Bis zu welchem Grade variirt die gemeinste Eidechse Ost-Afrikas, der in jedem Negerdorf in vielen hundert Exemplaren vorkommende Streifenskink? Nichts ist davon bekannt! In allen niederen Büschen Ost-Afrikas hausen Laubfrösche in zahllosen Mengen. Gerade über sie sind wir aber am schlechtesten unterrichtet, und es werden noch Tausende von ihnen nach Europa gesandt werden müssen, ehe es besser damit wird. Man sammle also viele Arten, wenn es geht; schicke aber von allen Arten, und wenn es die gemeinsten sind, sehr viele Exemplare. Bei kleinen Kriech- thieren, besonders Laubfröschen, 3040 Stück einer Art, selbst wenn sie aus einer Gegend stammen. Findet man aber in einer Gegend Exemplare einer Art, die selbst im Farbkleid nur ganz wenig voneinander abweichen, dann schicke