Deutsche Kolonisation
Schon vor Errichtung der deutschen Herrschaft war das Ost-Mbamland in gewissem Sinn ein Kolonialland. Die Wüte hatten die weite Sanaga-Ebene, die Fullah die Landschaft Tibati kolonisiert, und im Gegensatz zu den reinen Handelsniederlassungen der Haussa in andern Landschaften, handelte es sich bei dieser Kolonisierung des Euk- und Bati-Gebiets und des alten Wutelandes der Drum um wirkliche Herrschaftskolonien. Doch lassen sich diese Herrschaftskolonien in keiner Weise mit der deutschen Kolonisation vergleichen, denn Wüte wie Eullah sind durch Heirat mit den Unterworfenen stark vermischt, ja von diesen fast aufgesogen, während ein solcher Ausgleich bei dem großen Rassen- und Kulturunterschied und der Wesensfremdheit unsrer politischen Auffassung und Organisation unmöglich ist.
Zur Kolonisierung eines Gebiets mit so kriegerischer Bevölkerung wie im Ost-Mbamland ist die Befriedung die erste Vorbedingung. Sie war mit der ersten „Unterwerfung“ der Ngila- und Tibati-Leute 1899 noch lange nicht erreicht, noch jahrelang hatte die Station Joko mit aufständischen Bewegungen der Wüte zu schaffen, und auch in Tibati, das schon bald von Joko abgezweigt und zur Militärstation Banjo geschlagen wurde, bedurfte es mehrfachen energischen Eingreifens, um Ruhe und Sicherheit zu gewährleisten. Die am 1. Januar 1908 erfolgte Übernahme des Bezirks Joko in Zivilverwaltung und die Umwandlung der Militärstation Banjo in ein Bezirksamt (1912) waren der Ausdruck dafür, daß das Gouvernement diese Gebiete für befriedet hielt; ob sie es damals auch wirklich waren, darüber herrschte im Land mancher nicht unberechtigte Zweifel.
Die wenigen Kulturpioniere, die sich als Beamte, Kaufleute oder Missionare in einem abgelegenen, schwer zu erreichenden und unzivilisierten Gebiet niederlassen, haben, sobald einigermaßen die Sicherheit ihres Lebens gewährleistet ist, den selbstverständlichen Wunsch, ihre Lebensführung so weit wie möglich der europäischen anzunähern und sich die Annehmlichkeiten europäischer Kultur zu verschaffen. Da das Ost-Mbamland für kaufmännische Bewertung ein unsicheres Gebiet war, das wohl zeitweilig große Erträge lieferte, nicht aber dauernden Handelsgewinn versprach, haben die kaufmännischen Firmen für das Behagen ihrer Angestellten nur wenig Mittel übrig, sodaß deren Häuser ganz primitiv gebaut sind. Die beiden Missionsniederlassungen in Ndumba und Ngambe sind noch zu jung, um viel über die ersten Anfangseinrichtungen hinaus gekommen zu sein. Die Station Joko aber, die sich nach ihrer Lage so vorzüglich zu einem Stützpunkt deutscher Macht eignet, ist so gut ausge-