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T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
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gelegene Tikarort Pataku 1 und Wutschaba am Sanaga 2 waren Mittelpunkte des Kolahandels. Über die Bewertung der Kola im Produktionsgebiet und in davon entfernteren Ländern geben die Zahlen des Jahresberichts über die deut­schen Kolonien 1907/08 Auskunft: 100 Stück Kolanüsse kosten in Bansso 0,50 Mk. im Banjo schon 3 Mk. und in den Tschadsee-Ländern 10 Mk.

Der Handel mit dem Europäer

Anfangs der 90er Jahre wurde der europäische Handel im Hinterland von Kamerun vollkommen beherrscht von der Royal-Niger-Company 3 . Sobald aber einmal die ersten Deutschen von Süden her durchgestoßen waren, richteten sie ihr Augenmerk darauf, das Ost-Mbamland dem Handel mit der Kamerun- Küste zu eröffnen; war er doch schon kräftig bis an die Süd-Grenze, den Sanaga vorgedrungen. 1892 kamen die ersten Nachrichten 4 über die reichen Elfenbeinschätze in Balinga und über das massenhafte Vorkommen von Kautschuk in den Sanaga-Wäldern, der gegen Waren von der Küste getauscht wurde. Und kaum war Morgen von seiner ersten Reise zum Ngila an die Küste zurückgekehrt, als er die Aussendung einer kaufmännischen Expedition betrieb, die die ersten Handelsverbindungen mit dem Ost-Mbamland anknüpfen sollte.

Von da an ist es unablässig das Bemühen der Offiziere und Beamten in Jaunde gewesen, dem deutschenHandel denWeg von der Küste nach Norden zu öffnen. Viel früher als man an eine politische Unterwerfung der Wüte und Fullah dachte, versuchte man, sie wirtschaftlich mit der Kamerun-Küste in Beziehung zu bringen. Der Versuch, die Haussa auszuschalten, miß­lang 5 , denn die Negerhäuptlinge fanden in dem deutschen Kaufmann wohl einen Abnehmer für ihr Elfenbein, nicht aber für ihre Sklaven, dafür kamen allein die Haussa in Betracht. Der nächste Schritt bestand 1896 darin, einige Haussa zu einer Reise von Ndumba über Jaunde nach Kribi 6 zu veranlassen, damit sie selber sähen, daß dieser Weg kürzer und sicherer sei als die Straße über Tibati oder Banjo nach Yola. War doch schon damals der für undurchdringlich geltende Süd-Kameruner Urwald durch einen vorzüglichen, überall gangbaren Weg passierbar gemacht. Aber erst 1897 wurde eine europäische Faktorei in Jaunde gegründet, die ihre Beziehungen durch Zwischenhändler weit ins Wuteland ausdehnte 7 . Sofort aber erklärte der Lamido von Tibati, der vom Benue-Handel größeren Vorteil zu haben glaubte, dem deutschen Handel den Krieg 8 . Er verbot den Haussa, weiter nach Süden zu gehen als zum Ngila nach Ndumba;eine

1 Dominik. Kol. Bl. 1902. S. 311.

2 v. Carnap. Kol. Bl. 1898. S. 272.

3 Morgen. Durch Kamerun. S. 280.

4 Kol. Bl. 1892. S. 397.

6 Morgen. Durch Kamerun. S. 189.

e Dominik. Sechs Kriegs- und Friedensjahre. S. 183 Puttkammer. Kol. Bl. 1897. S. 379.

i Jahresber. 1897/98. S. 191.

8 Dominik. Sechs Kriegs- und Friedensjahre. S. 230/231.