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Hühner und Ziegen werden von allen Dorfbewohnern gehalten, Schafe aber besitzt nur der Häuptling und der Großmann, die sich auch allein den Luxus eines Pferdes erlauben können. Die Zahl der Pferde ist sehr gesunken, seit die Selbständigkeit des Lamido und der Häuptlinge gebrochen wurde; es fehlen ihnen die Mittel zum Pferdekauf, die früher Sklavenraub und Sklavenhandel verschafften. Morgen 1 sah 1891 in ,,Sanserni-Tibati“ (vor Ngambe) 300 Pferde, bei Ngila 15 und bei Ngute 30; auch Dominik 2 erbeutete 1899 in Ngilas Stadt noch 15 Pferde. Von solchen Zahlen ist heute nirgends mehr die Rede; in Ngambe gibt es heute 5 Pferde, in Linde 2, andere Häuptlinge sind höchstens im Besitz von einem einzigen Pferd. Auch Rinderherden von tausend oder mehr Stück—so hoch schätzt sie Dominik 3 1899 — gibt es heute in der Umgegend von Tibati nicht mehr; man darf heute ihre Zahl allerhöchstens nach Hunderten schätzen.
Jagd und Fischfang
Jagd und Pischfang sind nicht Hauptquellen der Ernährung wie der Hackbau, doch liefern sie dem Menschen immerhin allerhand begehrte und hochgeschätzte Zukost zur eigentlichen Nahrung. Die Jagd ist ein Vergnügen, das oft dem Häuptling oder Großmann Vorbehalten bleibt. Der kriegerische Wüte 4 übt sie leidenschaftlich und sucht in ihr Ersatz für die Fehden und Kriege früherer Zeiten; seine Hunde richtet er in Meuten ab und hetzt mit ihnen selbst Büffel und Löwen. Das Fischen mit Handnetzen oder oft riesigen Reusen und das Fischstechen sind untergeordnete Arbeiten, die auch von Weibern betrieben werden.
Entsprechend dem Vegetationsbild, in dem Grasfluren oder Savannen mit mehr oder minder ausgedehnten, oft dichten Waldungen abwechseln, finden wir Vertreter der Wald- und der Steppenfauna unter der jagdbaren Tierwelt.
Der Neger kennt die einsame Pirsch des einzelnen geschickten Jägers, aber auch die Treibjagd, an der sich viele Treiber und Jäger beteiligen. Sie wird ganz planmäßig vorbereitet, indem in der Trockenzeit die Grasflächen in weitem Umkreis abgebrannt werden. In der Mitte bleibt ein größeres Stück Gras ungebrannt, da zieht sich alles Wild hinein. Dies Grasdickicht wird rings umstellt, mit lärmenden Hunden und schreienden Treibern das Wild nach einer Seite getrieben oder mit Feuer gescheucht: es bricht in Todesangst aus und wird leicht erlegt oder stirbt im Feuer. Der lange Stoßspeer, der Wurfspeer, Bogen und Pfeil sind die Jagdwaffen, die, der Vegetation des Landes angepaßt, z. T. auf weite Entfernung auf offener Grasflur brauchbar sind (Tafel 20).
Die Jagd ist fast stets an die Trockenzeit und an den Anfang der Regenzeit gebunden; ist das Gras wieder hoch gewachsen, kann sich das Wild so gut darin verstecken, daß es nur schwer aufzustöbem ist. Auch auf Büffel
1 Morgen a. a. O. S. 277.
2 Dominik. Sechs Kriegs- und Friedensjahre. S. 264.
3 v. Kamptz. Kol. Bl. 1899. S. 847.
4 Vergl. 1. Teil, S, 49 und Tafel 34.