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Viehhaltung
Die Eingeborenen des Ost-Mbamlandes und die Fullah halten heute eine ganze Reihe verschiedener Haustiere: Pferd und Esel; Rind; Schaf und Ziege; Hund; Ente und Huhn. Von diesen sind aber Pferd, Esel und Rind nicht im Land heimisch, sondern erst durch die von Norden kommenden Fullah oder Haussa eingeführt. Nur das Kleinvieh ist von jeher vom Neger gehalten worden, auch hier in Verbindung mit der Wirtschaftsstufe des Hackbaus, die nirgends Großvieh kennt. Eine kleine schwarz-weiße oder braun-weiße Ziegenrasse und mittelgroße, schwarze, glatthaarige Schafe (Tafel 18, Abbildung 1) werden gehalten, stehen aber nirgendwo im Zusammenhang mit dem Hackbau. Man darf diese Viehhaltung aber noch nicht als Viehzucht in unserm Sinn ansehen, denn alle dazu notwendige Zuchtwahl der geeigneten Tiere, besonders der männlichen, fehlt 1 . Zwar erwirbt man gern ab und an ein besonders starkes männliches Tier 2 , auch schlachtet man nicht gerade diese oder die weiblichen Tiere, sondern nimmt dazu meist alt gewordene Böcke, aber ein bewußtes Ausscheiden der minderwertigen männlichen Tiere findet nicht statt. Auch läßt man männliche und weibliche Tiere dauernd in der Herde beisammen, eine zeitliche Regelung der Fortpflanzung findet nicht statt; wir sahen in allen Jahreszeiten Böcke mit Schafen und Ziegen des verschiedensten Alters in einer Herde.
Wie man die Tiere bei der Fortpflanzung sich selber überläßt, so auch bei der Ernährung: Schafe und Ziegen laufen frei herum und suchen sich ihr Futter. Und da die Tiere auch in der Trockenzeit in der Nähe jeder Siedelung fließendes Wasser und frisches Grün finden, leiden sie nie Mangel an Nahrung. Irgend welche Vorräte für die Zwecke der Viehhaltung brauchen daher nicht auf- gespeichert zu werden. Jeden Abend werden die Tiere ins Dorf gebracht, wo sie im Freien auf dem Dorf platz, in einer gerade leer stehenden Hütte oder hie und da auch in besondern Ställen die Nacht zubringen. Diese Viehhütten stehen bei den Wüte auf Pfählen, zum Eingang führt eine schräge Laufbahn hinauf; man will so das Vieh vor wilden Tieren schützen. Die in allen Jahreszeiten, trotz der Schwankungen der Trockenzeit, genügende Wärme ermöglicht es allein, daß bei solch nachlässiger Behandlung und mangelnder Pflege Haustiere überhaupt existieren können. Doch gehen immerhin viele Tiere ein, und der Viehstand nimmt im ganzen kaum zu, trotzdem verhältnismäßig selten ein Tier geschlachtet und gegessen wird. Den Genuß der Milch von Schafen und Ziegen kennt der Kamerun-Neger nicht; sie sind ihm nur Fleischtiere.
Etwas mehr Sorgfalt als den Schafen und Ziegen wird den Hühnern gewidmet. Inder Trockenzeit erhalten sie täglich Hirsefutter, man bringt sie nachts in die Wohnhäuser und bereitet ihnen, wenn sie brüten wollen, ein ruhiges, un-
1 Dominik erwähnt zwar (in den „Sechs Kriegs- und Friedensjahren“) in der Stadt des Ngila Hammel und Kapaunen; doch haben wir bei allen Erkundungen von Wüte und Tikar nie erfahren, daß sie ein Kastrieren von zur Zucht imgeeigneten männlichen Tieren kennen oder es gar üben, um sie zu mästen.
2 Jahresber. 1906/07. C. S. 18.
5 Thorbecke, Hochland von Mittel-Kamerun U.