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Waldboden angelegt werden, so erfordert das Roden mindestens 3 Wochen Arbeit für einen Mann; dabei bleiben die großen Bäume noch stehen. Meist wird aber so ein Waldstück durch freiwilliges Zusammenarbeiten mehrerer Dorfgenossen in kürzerer Zeit urbar gemacht. Einen abgeernteten Acker kann ein Mann in 3 Tagen frisch umhacken, da nur 10—15 cm tief gehackt wird 1 .
Braucht eine dreiköpfige Familie 4800 qm Ackerfläche zu ihrem Unterhalt, so braucht ein Mensch 1600 qm. Wegen der Brachwirtschaft, bei der auf durchschnittlich 3 Jahre Bestellung die doppelte Zeit, also 6 Jahre Brache folgen, muß aber in 9—10 jährigem Umtrieb die dreifache Fläche bestellt werden, also rund 5000 qm. Somit leben von 1 qkm 200 Menschen.
Es ergibt sich daraus, daß das ganze Volk der Tikar, das rund 14 000 Menschen 2 stark ist, eine Ackerfläche von 70 qkm wirklich nutzt, während in seinem Gebiet mindestens 3000 qkm nutzbaren Bodens liegen. Für die andern Teile des Ost-Mbamlandes ist die Ausnutzung des vorhandenen guten Ackerbodens eher noch geringer.
Die Bebauung verhältnismäßig großer Flächen mit Hirse zur Bierbereitung mag im ersten Augenblick befremden und ungünstig erscheinen. In der Tat ist aber diese scheinbare Verschwendung von Boden und Arbeit durchaus wünschenswert, da die zur Bierbereitung gebaute, aber auch als Brotgetreide verwertbare Frucht bei schlechten Ernten das Land vor Hungersnot 3 schützen kann.
Im allgemeinen wird der Ackerbau von einem jeden nur für den eigenen Bedarf betrieben. Da aber in den letzten Jahren häufig Männer auf Befehl oder freiwillig für den Europäer Dienste tun, die sie vom Feldbau abhalten, und da nach Landessitte ihre Frauen sie darin nicht vertreten, bauen heute schon manche Leute mehr Feldfrüchte, als sie selber verzehren, und verkaufen dies mehr den für den Weißen Arbeitenden für einen Teil ihres Verdienstes. Darin liegt der erste Anfang einer Umwandlung der Volkswirtschaft im Ost-Mbamland, dessen Bevölkerung bisher nur dem Ackerbau für eigene Bedürfnisse lebte.
Landbesitz
Fullah und W ute machten ohne Unterschied alle Unterworfenen zu Sklaven, die für sie arbeiten mußten; über sie selber herrschte wieder unumschränkt der Wille des Lamido oder des Oberhäuptlings. Die Besitzverhältnisse waren bei beiden Völkern zur Zeit der Errichtung der deutschen Herrschaft so verworren,
1 Die Angabe Morgens a. a. O., S. 205, der die Feldbestellung für ein halbes Jahr (für Hirse) von 500 Männern für die ganze Einwohnerschaft von Ngilas Stadt, die 3000—4000 Einwohner gezählt haben mag, in 3 Tagen geschehen läßt, erscheint danach, wenn auch etwas knapp, so doch immerhin möglich, wenn es sich um ab geernteten alten Ackerboden handelte.
2 Zu den auf S. 38 geschätzten 10 000 Tikar im Joko-Gebiet treten noch die im NW des Ost-Mbamlandes im Banjo-Bezirk wohnenden Tikar der Häuptlingsschaften von Bandam, Bamkin, Jakomekwe, deren Zahl ich auf 4000 schätze.
3 Für diesen Hinweis bin ich Dr. Theodor Engelbrecht, dem ausgezeichneten Kenner europäischer und tropischer Landwirtschaft ganz besonders dankbar.