Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
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ist an sich haltbar, aber Mais neigt zum Verderben, weil er oft noch feucht ge­erntet werden muß. Er wird vor dem Einspeichern in Trockenhäusern, die auf Pfählen stehen und einen rostartigen Boden haben, durch darunter entzündetes langsames Feuer gedörrt.

Auf den früh abgeernteten Feldern wird sofort noch in der Regenzeit der Rest an Halmen oder Kraut verbrannt oder untergehackt, und eine zweite Saat wird gelegt, die bis zur dritten Trockenzeit noch vollkommen reift; doch kann nur ein Teil der Ackerfläche zweimal im Jahr bestellt werden, weil manche Frucht erst spät gesät und daher auch um so viel später geerntet wird. Bleiben Felder mitten in der Regenzeit ohne neue Saat liegen, so läßt man Halm und Kraut darauf verrotten und hackt sie erst im nächsten Jahr unter; auf diese Weise erhalten doch einige Äcker wohl unbewußt eine Art von Düngung. Die erst in der Trockenzeit abgeernteten Felder werden nur abge­brannt, da die Stoppeln in der Dürre nicht verrotten. Aber der an Bich schon ge­ringe Wert der Aschedüngung 1 wird fast ganz aufgehoben durch die stark ausdör­rende Wirkung des Brandes auf den Boden.

Die Tikar, bei denen der Hackbau am reinsten entwickelt ist, zählen die Zeit nach Mond-Monaten und berechnen an ihnen die Wiederkehr von Regenzeit und Trockenzeit. Den Monaten geben sie Namen nach der land­wirtschaftlichen Arbeit, die sie jahraus-jahrein in jedem einzelnen verrichten: Namen wieRoden,Säen,Hirse schlagen,Ähren abschneiden,viel zu essen bedeuten die einzelnen Monate im jahreszeitlichen Kreislauf ihrer Landwirtschaft.

Die Ausnutzung der Bodenfläche

Nach genauen Erkundungen, zu deren Ergänzung wir die uns bezeichneten Flächen ausgemessen haben, ist für eine aus Mann, einer Frau und einem Kind bestehende Familie eine Ackerfläche von 2400 qm 2 nötig. Darauf wird alles gebaut: Hirse, Mais, Kassada, Süßkartoffeln u. a. Für gewöhnlich wird jedoch die doppelte Fläche bebaut, um die Hirse für das allgemein gebraute Hirsebier 3 zu gewinnen. Zu beachten ist dabei, daß ein Teil des Ackers zweimal im Jahr bestellt wird, gewöhnlich mit Mais oder Kassada. Es kommt somit auf die dreiköpfige Familie eine Fläche von 4800 qm.

Diese Fläche kann, nach Aussage der Eingeborenen, auf Savannenboden ein Mann, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang mit kurzer Mittagspause arbeitet, im Lauf einer Woche roden, wobei die kleinen Bäume und das Gras samt Wurzeln entfernt werden. Soll der Acker aber auf

1 Man war lange geneigt, ihre Wirkung stark zu überschätzen, die praktischen Versuche der Musterpflanzungen, wie der von Kuti in Bamum, haben in unsern Anschauungen starken Wandel geschaffen.

2 = Stationshof von Joko: 40 m X 60 m,

3 Dies Hirsebier der Kameruner Savannen-Landschaft, das zum Unterschied vom Palm­weincorn-mimbo genannt wird, entspricht dem ost- und zentral-afrikanischen Pombe.