Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
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Da Tikar, Njanti und Balom auch Stoffe weben, bei den Wüte aber nirgends

einheimischer Baumwollstoff, immer nur brauner oder roter Rindenstoff zu

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sehen war, dürfen wir annehmen, daß bei den erstgenannten Völkern der Baum­wollbau heimisch ist,bei den Wüte nicht. Nach Aussage unsrer Eingeborenen haben sie früher viel mehr Baumwolle gebaut, wir haben auch noch an einer Stelle, die vor uns nie ein Weißer betreten, zwischen den Wawue-Bergen und dem ^

Bengbeng-Massiv bei dem Großmann Djimokwat 1 ein ganzes Eeld gefunden, das mit einer Mischkultur von Baumwollstauden und Süßkartoffeln bepflanzt war. Solcher Baumwollfelder mag es an andern abgelegenen Stellen des t

Tikarlandes noch mehr geben. Die Tikar wie die andern Stämme bauen immer nur mehrjährige Baumwollstauden 2 , die jedes Jahr neu treiben (Tafel 16,

Abbildung 1); das jährliche Ausroden der Stauden und das jährliche Pflanzen von neuen, wie es auf den Baumwollpflanzungen des Weißen üblich ist, kennt der Neger nicht. In früheren Zeiten scheint viel mehr Baumwolle zu Stoff verwoben zu sein; durch die Einführung billiger europäischer Gewebe ist dies gute alte Handwerk aber fast ausgestorben. Doch wifd auch heute noch mancher­orts die Baumwollernte vom wandernden Haussa aufgekauft; wir begegneten mehrfach solchen Händlern, die Körbe voll Baumwolle nach Norden beförderten.

Der Baumwollbau der Eingeborenen beweist jeden Falls die Eignung des Klimas, sowie das Vorhandensein brauchbarer Arbeitskräfte, die mit der Kultur vertraut sind. An eine Baumwollkultur im großen Stil sei es auf Pflanzungen oder im Kleinbau des Eingeborenen wie in Nigerien ist aber erst zu denken, wenn das Ost-Mbamland durch eine Eisenbahn an die Küste ^

angeschlossen sein wird.

I

Der jahreszeitliche Verlauf der landwirtschaftlichen Arbeit

Durch ererbte Erfahrung ist der Mensch mit dem jährlichen Ablauf des Klimas vertraut und paßt ihm seine landwirtschaftliche Arbeit an.

Zum Roden eines Stückes Wald werden in der Trockenzeit kleine und mittelgroße Bäume gefällt, das Strauchwerk wird abgeschnitten; alles bleibt kurze Zeit zum Trocknen liegen und wird dann angezündet. Was nach dem Erlöschen des Brandes noch an angekohltem Holz herumliegt, wird im Lauf der nächsten Regenzeit als Brennholz geholt. Erst in der zweiten Trockenzeit wird der Boden 1015 cm tief gehackt und gründlich gelockert. Die Riesenbäume, die in Abständen von 50-100 m stehen, besonders die bis zu 70 m hohen Baumwollbäume 3 werden nicht gefällt, auch durch das Feuer meist nicht ab­getötet, der hohe Stamm und die verhältnismäßig kleine Krone werfen nur wenig Schatten und hindern daher nicht das Wachstum der Saat auf den Feldern zwischen ihnen. Beim Roden des Savannenbodens werden häufig, aber nicht immer, die kleinen Bäume geschlagen, das Gras wird abgebrannt, die Gras- >

wurzeln werden beim Umhacken entfernt.

1 Vergl. 1. Teil, S. 35.

2 Vergl. 1. Teil, Tafel 21, Abbildung 2.

3 Vergl. l. Teil, Tafel 23, Fig. 2.