Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
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Vorwort

Erst jetzt kann dem ersten Teil der Veröffentlickungen über meine For­schungsreise nach Kamerun ein zweiter folgen, aber auch er nicht in dem in Aussicht genommenen Umfang einer vollständigen Landeskunde des Ost-Mbam- landes. Der große Krieg, dem sich unser ganzes wissenschaftliches Leben in Deutschland anpaßt, hat die bei Dietrich Reimer begonnene und schon weit fort­geschrittene Verarbeitung unsrer topographischen Aufnahmen nicht vollenden lassen, weil dringendere Aufgaben die damit beschäftigten Kartographen beanspruchen. Ohne die neue Karte aber konnte die physische Geographie nicht fertiggestellt werden. Um jedoch in der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Ergebnisse nicht eine gar zu lange Pause eintreten zu lassen, hat sich auf meine Bitte das Ham- burgische Kolonialinstitut damit einverstanden erklärt, den zweiten Teil in zwei Bände zu zerlegen, die gesondert als in sich geschlossene Abhandlungen erscheinen. Für dies Entgegenkommen weiß ich dem Professorenrat aufrichtigen Dank. Der hier zuerst gebotenenAnthropogeographie des Ost-Mbamlandes ist im ersten Kapitel von der physischen Geographie soviel vorausgeschickt, als sum Ver­ständnis nötig erschien.

Das Manuskript war im Januar 1915 abgeschlossen. Damals war Kamerun noch unser, noch hofften wir, daß sich das tapfere Häuflein der von aller Welt abgeschnittenen Verteidiger selbst gegen vielfache Übermacht halten könnte; die Kriegsdauer hat diese Hoffnung zerstört. Aber im Vertrauen auf die Wieder­herstellung unsrer Kolonien habe ich im vorliegenden Teil der Landes­kunde die Verhältnisse so geschildert, wie sie vor dem Kolonialkrieg lagen. Als ein Beitrag zur Geographie des Menschen und zur Art ihrer Anwen­dung in der Länderkunde soll diese Arbeit, die auf eigener Anschauung und der gesamten Literatur aufgebaut ist, zugleich ein Denkmal sein deutscher koloni­satorischer Tätigkeit im tropischen Afrika vor dem August 1914. Alle mensch­lichen Verhältnisse in unserm Forschungsgebiet, in dem sich ein Teil der letzten Kämpfe abspielte, werden von Grund aus erschüttert sein, vieles, was hier noch als Gegenwart geschildert und erklärt wird, mag heute schon der Vergangenheit angehören; um so wichtiger schien mir, es so darzustellen, wie wir es im Frieden beobachten konnten.

Wieder habe ich meiner Frau für ihre Hülfe beim Werden dieses Buches zu danken, viele Erkundungen bei den Eingeborenen und die meisten Abbildungen stammen von ihr. Die ausgezeichneten Vorlagen für Tafel 5 (Medzan) verdanke ich dem Missionar H. Reimer in Ngambe, die Schädelmessungen Bernhard Struck in Dresden. Als Grundlage für die kurze Darstellung der Vegetation hat der im Manu­skript vorliegende Abschnitt von Leo Waibel über die Pflanzengeographie gedient.

Mit dem Manuskript des vorliegenden Buches habe ich mich bei der philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg habilitiert.

Heidelberg, im September 1916

' Franz Thorbecke