Druckschrift 
Samoa, Bismarckarchipel und Neuguinea : drei deutsche Kolonien in der Südsee ; mit 36 Vollbildern, 113 im Text gedruckten Abb. u. 2 Kt. / von Ernst von Hesse-Wartegg
Entstehung
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An der Nordküste von Upolu.

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Wassermasscn schäumen hier donnernd über ein breites, von steilen Ufern eingefaßtes Bett von Basalttrümmern. Felsbarricrcn legen sich hier und dort quer darüber, und der Fluß bildet dann malerische, rauschende Schnellen und Fülle, deren schönster und größter sich nur einen halben Kilometer weit von der Mündung, d. h. der tief eingeschrittenen Bucht von Falifa, befindet.

An der Westseite dieser Bucht liegt Falifa, ein großer, weitausgedehntcr Ort mit einer katholischen Mission, auf die wir, so gut unsere totmüden Beine uns noch tragen konnten, zusteuerten. Es war Nacht geworden, als ich im Mondenscheine zwischen schwarzen, mächtigen Brotfruchtbäumen die hübsche Kirche der Mission hervorleuchten sah. Die Priester, Franzosen, waren noch auf und bereiteten mir einen herzlichen Empfang. Bald war in dem kleinen, aus vier wackeligen Bretterwänden bestehenden Refektorium auf einem rohgezimmerten Tische ein Imbiß ü In Samoa bereit: Eier, gekochte Tarownrzcln, welche hier die Stelle der Kartoffeln einnehmen, in Asche gebratene Brotfrucht statt des Brotes, etwas Speck und dazu als Trank die köstliche Milch von frischen Kokosnüssen, die ein Missionsdicncr direkt von den Bäumen holte. Der ganze Ort Falifa enthält nur katholische Einwohner. Der Missionar, ein alter Herr mit langem weißen Barte, ist hier schon seit Jahrzehnten thätig. Ein zweiter Missionar aus Apia weilte zu Besuch bei ihm, und die Herren hatten so viel des Interessanten zu erzählen, daß wir trotz meiner Müdigkeit noch bis Mitternacht aufblieben. Die samoanischcn kühlen Nächte sind auch zu herrlich, um zu schlafen; in den Häusern des Dorfes war alles finster und ruhig, und ihre eigentümliche Bauart mit den halbkngel- förmigen Dächern verlieh ihnen das Aussehen von ungeheuren Gräbern; unten an den weißen Korallenriffen plätscherten die sanften Wellen des Meeres, und aus der Ferne hörten wir das Rauschen des Fonga-afn genannten Wasserfalles. Weit draußen auf der silbernen Flüche der Bricht von Falifa aber schaukelte das Segelboot, das mich nach einigen Tagen Aufenthalt unter den Eingeborenen wieder zurücktragen sollte nach Apia, diesemNeapel" der Südsee.

An der Nordküste von Upolu.

tV)on all den herrlichen Punkten des deutschen Jnselparadieses in der Südsee, die ->)ich besucht habe, würde ich der Bucht von Falifa, einige Wegstunden östlich von Apia gelegen, entschieden die Palme zuerkennen. Wer nicht gerade bemüßigt ist, in der großen Welt, inmitten unseres aufregenden Verkehrs zu leben, der würde sich kein schöneres Plätzchen für einen Wohnsitz wählen können als Falifa, und ich wandere mich, daß von all den unabhängigen Millionären und Nichtsthuern, an denen unser Erdenglobus doch so reich ist, noch keiner auf den Gedanken kam, sich in Samoa eine Besitzung zu erwerben. Was sind Korfn, Madeira, Korsika und andere im Vergleiche

Hesse-Wartegg, Samoa. 19