Ueber Land nach Falisa.
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und legen kurze Bretter vor sich, wie jene der italienischen Lavandajas beim Wäschewaschen. Znin Schutz gegen die Sonne haben sie alle möglichen Vorrichtungen, Bananenblatter oder Palmenwedel, Tapastückc oder Matten auf Stocken. Einige Mädchen waren noch jetzt, als wir das Flußnfcr erreichten, in ihrem mehrere Stunden dauernden Sitzbad an der Arbeit. Sie hatten die weißen Rindenstücke vor sich auf dem Waschbrett liegen und schabten daran mit einer Strahlmnschel (auf samoanisch Pc-pe) herum, während sie gleichzeitig fortwährend mit der Hand Wasser darüber schaufelten. Dadurch werden die weichen Bestandteile entfernt, und nur eine schwammige, zähe Masse ohne sichtbare Fasern bleibt zurück.
Diese wird nun in der vorgeschildertcn Weise geklopft, so lange bis die ursprünglich fingerdicke Ninde nicht stärker ist als Kartonpapicr. Die Weiber prüften sie zuweilen durch Aufheben und Anfühlen, wie unsere Köchinnen den Nudelteig, uud waren sie zufrieden, so legten sie die Stücke zum Trocknen auf die runden, faustgroßen Basaltstücke, mit denen die Samoaner die Umgebung ihrer Hütten auf einige Meter zu pflastern pflegen. Als wir vom Flusse zurückkehrten, waren schon einige Mädchen daran, verschiedene trockene Stücke aufzulesen und zusammenzukleben. Dazu verwendeten sie einen Kleister aus Pfeilwurz. Allmählich entstehen so die Tapadecken, und es ist mir erstaunlich, daß sie denselben durch so einfache, rohe Mittel eine solche gleichmäßige Dicke oder vielmehr Feinheit verleihen können. Sind die Tapadecken trocken, so werden sie mit snmoanischen Farben in den verschiedensten Mustern bemalt und können bei der nächsten Festlichkeit von ihren Verfertigern getragen werden.
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Ueber Land nach Falisa.
östlichste Teil der Südküste von llpolu ist steinig und nur spärlich bevölkert. "^Man riet mir ab, den beschwerlichen Marsch rings um die Insel fortzusetzen, vbschon sich an der Ostspitze, gegenüber den malerischen Felseninselchen Namua und Fanuatapu, der Distrikt Aleapata befindet mit der Ortschaft Amaile. In dieser besitzt dcr Obcrhüuptling von Samoa, oder „König", wie er gern genannt wird, Mataafa, ein Haus, und nahe diesem hat er sich sein Mausoleum, einen sarkophagartigcu Aufbau, emchten lassen. Hoffentlich wird der biedere brave Mann ihn noch recht lange unbenutzt lassen.
Als interessantester, aber auch anstrengendster Marsch wurde mir jener quer durch die Äsel über die steilen Grate und eingestürzten Vulkankrater nach Falisa empfohlen. Wer sich auf den gebräuchlichen Landkarten des Stillen Ozeans die samoanische Inselgruppe ansieht, die dort als kleine Pünktchen verzeichnet sind, der wird sich die Sache «»fach als einen Spazicrgang vorstellen. Thatsächlich ist die Entfernung, in der Luftlinie gemessen, nur etwa zwanzig Kilometer, wenn man den fehlerhaften Karten