Von Matautu nach Lotofanga.
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die Kopra gewogen wurde, das Pfund für fünf Pfennig, betrachteten die Weiber all
die Schätze, die hier aufgespeichert waren. Die Männer kauften sich Tabak und Kawa.
Mittag! Die Frau meines Wirtes, eine große Erscheinung, die Tochter eines Häuptlings von Sawaii, erschien in einem bunten Babydreß; dann kam eine Verwandte, ein ungemctn zierliches, junges Mädchen, mit dem jüngsten Sprößling der Familie, der lärmte und schrie und augenscheinlich die ganze Haushaltung beherrschte, und nun nahmen wir Platz. Lantcr vortreffliche Dinge: Tomatcnsnppe, Lachs, Frankfurter Würstchen und Hühnerragont. Gemach! Gemach! Diese Delikatessen wurden nicht etwa in der Küche des Hauses zubereitet, sondern stammten aus Büchsen. Zu Ehren des Gastes mußte heute der Kaufladen seine größten Schätze hergeben, dazu bayrisch Bier! Sonst aber ist die Küche bei den Händlern nicht so reichhaltig. Es wird nach samoa- nischer Art gegessen, Gemüse, manchmal Fische, ein Huhn, Eier, vielleicht alle Monate einmal ein Schweinchcn. So geht es jahraus, jahrein. Für die drei Tage, die ich in dem gastlichen, liebenswürdigen Hause zubrachte, war alles sehr interessant, aber auf die Dauer muß es in diesem Südseeparadiese zum Sterben langweilig sein!
ür meine Weiterreise stellte mein Wirt mir nicht nur sein Boot zur Verfügung,
sondern er begleitete mich auch selbst an der Küste entlang bis nach Lotofanga. Er riet mir vom Marsch an der Küste entschieden ab, denn es sind auf der kaum fünfzehn Kilometer weiten Strecke zwischen Matantn und Lotofanga nicht mir fünf große, an ihren Mündungen breite Flüsse zu überschreiten, natürlich ohne Brücken, sondern auch steile Klippen und Salzsümpfe zu passieren. Das Meer, obschon durch die vorliegenden Riffe ohne starke Brandungswellen, unterwäscht die Küsten hier doch unaufhörlich, und auf kilometerweite Strecken sind die Ufer mit ihrem dichten Palmcn- bcstand fortgespült, ein Opfer der Fluten geworden. Zahlreiche Palmbänme liegen entwurzelt im Wasser, besonders an den Mündungen der Flüsse, die bei Regengüssen mächtige Fluten hcrabwälzen und alles mit sich fortreißen, lind doch liegen auf dieser Strecke die Dörfer dicht beisammen, nicht weniger als acht auf zwölf Kilometer.
Ich ließ es mir nicht nehmen, bei jedem größeren Orte an Land zu steigen. In jedem steht eine Kirche der Londonmission, die hier trotz der empfindlichen Abgaben, die sie von den Eingeborenen abfordert, einen merkwürdig starken Halt gefaßt hat, weil sie eben die älteste in Samoa ist und schon seit sechzig Jahren besteht, während die katholische Mission erst viel später in Samoa erschien. Dennoch sind die Bewohner dieser englisch-protestantischen Dörfer in ihrem Leben, ihren Trachten und mitunter recht eigentümlichen Sitten die Alten geblieben.
Von Matautu nach Lotofanga.