Druckschrift 
Samoa, Bismarckarchipel und Neuguinea : drei deutsche Kolonien in der Südsee ; mit 36 Vollbildern, 113 im Text gedruckten Abb. u. 2 Kt. / von Ernst von Hesse-Wartegg
Entstehung
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Ausflüge an der Nordküste von Sawaii.

Im allgemeinen kommen aber Verbrechen irgendwelcher Art auf diesen gesegneten Inseln ungemein selten vor. In einem paradiesischen Orte an der Nordküste von Sawaii, namens Safune, war ich Gast des ältesten weißen Ansiedlers, eines Skandinaviers Namens Nelson, der seit vier Jahrzehnten als Händler hier wirkt und mit den Sitten und Gebräuchen der Samoaner vertraut ist wie kein anderer. Auch er hatte nur das- höchste Lob für sie. Er stellt auch der Insel eine wirtschaftlich erhebliche Zukunft in Aussicht, wenn die deutsche Herrschaft endlich den politischen Wirren und Kämpfen ein Ende macht und es gelingen sollte, Ansiedler heranzuziehen. Die Wälder enthalten kostbare Hölzer; große Gebiete eignen sich vorzüglich für Kokonußplantagen, Kaffee, Kakao und Baumwolle, und die Verhältnisse sind im allgemeinen günstiger als auf irgend einer anderen Inselgruppe der Südsee. Es wäre zu wünschen, daß die Verkehrs- verhältnisse gebessert und dadurch eiue Ansiedelung von Deutschen hier in diesem Paradiese des Stillen Ozeans erleichtert würde.

ie gütige Mutter Natur sorgt für die Samoaner in so reichlichem Maße, daß sie

zur Arbeit und damit auch zum Erwerb nur schwer erzogen werden können, und deshalb ist bei ihnen auch alles beim alten geblieben, wie es vor hundert Jahren und noch früher war, besonders auf der Insel Sawaii, wo sie mit Europäern nur wenig, in manchen Teilen überhaupt gar nicht in Berührung kommen. Kein Volk der Südsee hat seine altangestammten Sitten und Gebräuche so unverfälscht erhalten wie die Bewohner der neuesten deutschen Kolonie.

Anders wäre es gekommen, wenn Samoa so günstig für den Weltverkehr liegen würde wie die Sandwichinseln, die sich allmählich zum Verkehrsmittelpunkt des Stillen Ozeans entwickelt haben und wo die Bodenverhältnisse für die Zuckerindustrie und für die verschiedensten Bodenprodukte so günstig sind, daß die Einführung von sechzigtausend fremden Arbeitern, hauptsächlich Portugiesen, Chinesen und Japanern erforderlich war, und auch die Weiße Bevölkerung mehrere tausend Köpfe zählt. In dieser fremden Bevölkerung ist die nur halb so starke einheimische größtenteils aufgegangen, und was von der ersteren nicht aufgesaugt worden ist, was sich mit ihr nicht vereinigt, ist unrett­bar,auf den Aussterbeetat gesetzt. Aehnlich, wenn auch nicht ganz so auffällig, liegen die Verhältnisse auf den Fidschiinseln. Aber Samoa liegt abseits von den großen Verkehrsrouten, es besitzt nur räumlich beschränkte Plantagenländereieu, und an fremden Arbeitern sind nur solche einer untergeordneten Raffe, der Salomousinsulaner, in geringer Zahl eingeführt worden. Weiße sind kaum vierhundert vorhanden, welche sich zum größten Teil auf einem Punkte, d. h. in Apia und der unmittelbaren Umgebung konzentrieren, und deshalb hat sich das rein samoanische Element im Süden von

Ausflüge an der Nordküste von Sawaii.