Druckschrift 
Samoa, Bismarckarchipel und Neuguinea : drei deutsche Kolonien in der Südsee ; mit 36 Vollbildern, 113 im Text gedruckten Abb. u. 2 Kt. / von Ernst von Hesse-Wartegg
Entstehung
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Allerlei über die Samoaner und ihr Leben.

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<lls die Schweine mit einer Gewandtheit unter seinen Augen weggezaubert wurden, die einem Bosco Ehre machen würde. Von der ganzen Schweinearmee kamen kaum mehr als zwei Dutzend auf die Schiffe. Dafür konnten sich die Samoaner gütlich thun und die Flaggenhisfung mit gebratenen Schweinen feiern. Das erhöhte den guten Eindruck.

Die Weißen thaten sich indessen im Hause des Agenten der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft, Herrn Schmidt, gütlich, der auf der fernen, so selten von Fremden berührten Insel gewiß noch nicht so zahlreichen hohen Besuch vereinigt haben dürste wie diesmal. Jedenfalls kann der Gouverneur mit den Erfolgen seines ersten Besuches in Sawaii zufrieden sein. Die Samoaner sind ihm mit Achtung und Zutrauen entgegen­gekommen. Die Verwaltung der Insel durch eingeborene Beamte ist organisiert, die Richter sind eingesetzt, und für die nächste Zeit dürfte alles ziemlich glatt gehen. Ob aber früher oder später durch Eifersüchteleien, Rangstreitigkeiten, Erpressungen oder politische Wühlereien der Gegenpartei nicht doch noch Kämpfe entstehen werden mit ernsten Folgen für die in Anbetracht der großen Mengen von Samoanern geradezu schutzlosen Weißen, mag dahingestellt bleiben.

ie in Upoln, so fand ich auch in Samoa in jedem Dorfe eine oder auch mehrere

Kirchen gewöhnlich derselben Mission, doch giebt es in vielen Dörfern auch Kirchen verschiedener Missionen, der Londoner Anglikaner, der Weslehaner und Katholiken, denn Christen sind die Samoaner alle, ohne Ausnahme. Ob sie den Begriff des wahren Christentums wirklich erfaßt haben, bezweifle ich. Nach der Art, wie die Kinder in den Schulen gedankenlos die christlichen Lehren auswendig lernen, und nach den Gesprächen, die ich mit Samoanern gepflegt habe, scheint mir das Christentum nur, wie der Eng­länder sagt, slckn ässx zu sitzen. Jedenfalls setzen sie einen gewissen Stolz darauf, als Christen zu gelten und in ihren Dörfern, wenn auch nicht einen europäischen Missionar, so doch einen eingeborenen Prediger oder Katechisten zu besitzen, für dessen Unterhalt sie aber keineswegs in hinreichendem Maße Sorge tragen. Dafür bauen sie die Kirchen und Bethäuser aus gemeinschaftlichen Dorfmitteln.

Für solche Zwecke besteht in den Dörfern nicht etwa eine eigene Dorfkasse oder ein Reservefonds. Geld ist überhaupt nicht vorhanden. Der Reichtum der Samoaner besteht in ihren Kokospalmen. Soll ein Kriegskanoe gebaut, eine Mission unterstützt, eine Kirche ausgebessert werden, so wird die Sache auf dem Dorfplatze von den Acltesten besprochen, und ist die Mehrheit damit einverstanden, so wird die Kokosnußernte einer dem Dorfe gehörigen Pflanzung für Tabu erklärt, d. h. kein Dorfbewohner darf die Nüsse dieser Pflanzung für seinen eigenen Bedarf verwenden. Sie werden sorgfältig gesammelt und übereinander an hohen Stangen aufgebunden, bis die erforderliche Zahl

Hesse-Wartegg, Samoa. ' 20

Allerlei über die Samoaner und ihr Leben.