Druckschrift 
Samoa, Bismarckarchipel und Neuguinea : drei deutsche Kolonien in der Südsee ; mit 36 Vollbildern, 113 im Text gedruckten Abb. u. 2 Kt. / von Ernst von Hesse-Wartegg
Entstehung
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Deutsche Handelsstationen an der Südkiiste von Upolu.

zu Atua gehören soll, und dabei bleibt es." Dann nahm er von den ob seiner Festig­keit überraschten Häuptlingen freundlichen Abschied, ließ allerhand Geschenke, hauptsächlich Stoffe und Rauchfleisch, unter sie verteilen und begab sich, begleitet von den Ehren- jungfranen, die ihn und sein Gefolge mit Blumen bekränzten, wieder an den Strand. Feierlich und erhaben war der Einzug gewesen, aber die Ebbe war nunmehr eingetreten, die Boote schaukelten weit entfernt von der Küste, und es blieb dem Vertreter des Deutschen Reiches nichts übrig, als den Rücken eines kräftigen Matrosen zu besteigen und sich wie ein Baby nach dem Boot tragen zu lassen. Ebenso that es das militärische und Civilgefolge des Gouverneurs, und die jungen Mädchen am Strande lachten sich über diesen drolligen Anblick fast das Herz aus dem Leibe.

Hoffentlich werden die Besuche des Gouverneurs an der Südseite von Upolu ihre Wirkung auf die Eingeborenen nicht verfehlen. Nach meinen Erkundigungen hat seine gewandte Redeweise auf die Leute den besten Eindruck gemacht, und es wäre in ihrem eigenen Interesse zu wünschen, daß sie sich seinen wohlüberlegten Anordnungen fügen, damit über das herrliche, in den letzten Jahrzehnten durch wüste Mißwirtschaft so zer­fahrene und zerrüttete Land endlich einmal die Segnungen des Friedens und der Arbeit kommen mögen.

Deutsche Handelsstationen an der Südkiiste von Upolu.

k^n ganz Samoa dreht sich alles um die Kokosnuß. Der kommerzielle Wert der ^)Jnseln liegt vorderhand ausschließlich darin, und gäbe es keine Kokospalmen, so wäre der Handel mit Samoa keinen Pfifferling wert. Die Versuche mit Kakao und Kaffee haben allerdings in den letzten Jahren so günstige Ergebnisse erzielt, daß in Zukunft wohl auch diese beiden so wichtigen und wertvollen Tropenprodukte in größerem Maßstabe angepflanzt werden dürften, aber bisher und wohl noch für Jahre hinaus ist das wichtigste, ja einzige Ansfnhrprodukt Kopra. In den Handelsstationen der Europäer an den Küsten, in den Dörfern der Samoaner wird Kopra geschnitten, die Ladung der Kanoes, die von den zahlreichen Küstendörfern nach den Handelsstationen fahren, ist hauptsächlich Kopra, die Dampfer und Dreimaster, die alljährlich Apia anlaufen, kommen nur, nur eine Ladung Kopra zu ergattern, und nicht mit Unrecht war auf den alten samoanischen Briefmarken, die ein spekulativer Engländer für seine Privatpost einführte, bevor es noch eine kaiserlich deutsche Post gab, der Palmbanm als Symbol von Samoa zu sehen.

Haben die Samoaner in ihren Dörfern eine Kanoeladung gesammelt, so fahren sie damit zu irgend einem der an den Küsten wohnenden Händler. Hier wird die Kopra gewogen und dafür ein verschieden hoher Preis bezahlt. Im vergangenen Jahre betrug er an der Südküste von Upolu etwa fünf Pfennig das Pfund. Die