Druckschrift 
Samoa, Bismarckarchipel und Neuguinea : drei deutsche Kolonien in der Südsee ; mit 36 Vollbildern, 113 im Text gedruckten Abb. u. 2 Kt. / von Ernst von Hesse-Wartegg
Entstehung
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Fono und Talolo in Falealili.

Enttäuscht stolperte ich ihnen nach. Nach einer weiteren halben Stunde sah ich wieder einen Fluß, noch breiter als der frühere, und am jenseitigen Ufer Matautu.

Wieder mußte ich auf den schwankenden, runden, glatten Baumstämmen, die über den Fluß führten, Blondin spielen, ich kam hinüber, aber das Dorf war nicht Matautu, sondern Wauwei. Und Matautu? Noch ein halbes Stündchen, beruhigten mich die Samoaner.

Aus dem halben Stündchen wurde aber noch eine schier unendlich scheinende Stunde, mit Balancieren über Flüsse, Durchwaten von schmalen Buchten, Stolpern und Stürzen beim Hinunter und Herauf an den steilen Basaltböschungen; wie beneidete ich die Herren auf den Kriegsschiffen, die draußen vor dem Korallenriff gerade vor Anker gegangen waren. Es war zwei Uhr morgens, und sie schliefen wohl in ihren bequemen Betten, bequem? Nein. Ich wußte es von meiner langen Seefahrt auf dem Seeadler von Neuguinea nach Samoa, daß diese Betten selbst für die Offiziere alles, nur nicht bequem waren, aber in meiner gegenwärtigen Verfassung, ausgehungert und erschöpft, schien mir das weiße Kriegsschiff draußen mit seinen glänzenden Lichtern ein wahres Paradies!

Es wäre auch nicht mehr weiter gegangen, wenn mein samoanischer Niese nicht auf eine Häuserreihe an der Küste gedeutet und mir zugerufen Hütte: Matautu!

Matautu! Um meine Qualen noch zu erhöhen, mußte die Handelsstatiou auch noch am anderen Ende des sich lang hinziehenden Dorfes stehen! Indessen, auch diese Ent­fernung war endlich zurückgelegt, ich stand vor einem einstöckigen Hause mit verschlossenen Fensterläden und von einem Holzgitter umgeben. Mein Pochen und Rufen blieb lange erfolglos, und schon fürchtete ich, meinen Nachtmarsch vergeblich gemacht zu haben, als sich ein Fenster öffnete. Ich gab mich zu erkennen, und ein paar Minuten später saß ich in einem bequemen Schaukelstuhl bei echt deutschem Bier, während man ein Schlaf­zimmer für mich herrichtete. Um drei Uhr morgens! Die Gastfreundschaft in Samoa verdient in der That sprichwörtlich zu werden!

Fono und Talolo in Falealili.

^Fffls verschiedenen Gründen hat es ziemlich lange gedauert, ehe der Gouverneur dazu ^Hckam, seine Rundreise durch den neuen deutschen Besitz zu unternehmen und auch auf Sawaii die deutsche Flagge zu hissen. Schon am 2. März 1900 war unter großen Festlichkeiten die Flaggenhissung in Apia erfolgt. Bald darauf thaten die Amerikaner dasselbe auf ihrer Samoainsel Tutuila, in dem herrlichen Hafen von Pago-Pago, der leider ihnen zugefallen ist, und da sie die Liebenswürdigkeit gehabt haben, mit ihrem Stationsschiffe der Flaggenhissung in Apia beizuwohnen, so mußte nach den Gesetzen internationaler Höflichkeit das deutsche Stationsschiff auch nach Pago-Pago dampfen,