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Samoanische Gastfreundschaft.
In der Mitte des reizend gelegenen Dorfes sah ich ein weißes Kirchlein schimmern nnd eilte, so gut ich es nach dem ermüdenden Tagesmarsch noch konnte, darauf zu. Allein es gehörte zu einer Baptistenmission mit einem samoanischen Prediger, und ich zog es deshalb vor, noch weiter zu einem meinen Leuten bekannten Hanse zu wandern, das einem katholischen Samoaner gehörte. Dort fand ich die freundlichste Aufnahme. Ich hatte sie wahrhaftig nötig, denn meine Kleider und Schuhe waren zerrissen, meine Haut zerschnnden und zerkratzt. Sogar mein in Kantschukstosf gehülltes Bündel frischer Kleider war durchnäßt.
er aus dem Bereich von Apia nach der Südküste von Upolu kommt, wird in
dem ganzen Leben und Treiben der Eingeborenen hier erhebliche Unterschiede Herausmerken. Obschon die Samoaner im allgemeinen von der europäischen Kultur viel weniger angenommen haben als die Bewohner von Fidschi, Tonga oder gar Hawai, so konnte doch der jahrzehntelange Verkehr der Bewohner der Nordküste mit den zahlreichen dort wohnenden Kaufleuten und Missionaren nicht ohne Einfluß auf sie bleiben. Die Südküste indessen wird von Weißen nur selten besucht. Im ganzen wohnen auf der etwa vierhundert Quadratkilometer großen Südhälfte der Insel kaum ein Dutzend Weiße, die Missionare mit eingeschlossen. Die weißen Händler sind mit Samoanerinnen vermählt, und ihr Verkehr mit ihren Landslenten an der Nordküste ist so beschränkt, daß sie in ihrer Lebensweise viel mehr von den Samoanern beeinflußt werden als die Samoaner von ihnen. Die Samoaner an der Südküste sind deshalb auch viel ursprünglicher als jene an der Nordküste.
Das konnte ich schon in dem samoanischen Hause sehen, wo ich in Siumu, einem der Hauptorte der Südküste, gastliches Unterkommen fand. Als ich dort eintrat, fand ich die weiblichen Einwohner mit verschränkten Beinen auf den weichen Pandauusmatten sitzend. Ich begrüßte sie mit dem samoanischen Talofa; zu meiner Ueberraschung aber antworteten sie mir, sichtlich erfreut über den Besuch eines Weißen, in vortrefflichem Englisch: Ooock ilüveninA! ^Vllsrs nrs eoiwuA kroin? Ltep in, Mirs u sent und dergleichen. Sofort erhoben sie sich, holten von den Dachbalken ein paar Matten herunter, um sie auf dem befeindeten Boden der Hütte auszubreiten, und leiden mich ein auszuruhen. , Nach dem langen Klettern über Stock und Stein gelang es mir nur schwer, niederzuhocken und nach ihrer Art Platz zu nehmen. Bevor ich ihrer Aufforderung, ein Bad zu nehmen, folgte, konnte ich nicht umhin, meine Nengierde zu befriedigen und sie zu fragen, wo sie denn Englisch gelernt hätten. In der Missionsschule in Apia, und fie seien erst vor kurzem wieder in ihr Elternhaus zurückgekehrt.
Samoanische Gastfreundschaft.
Als ich nach einem erquickenden Bade und dem so nötigen Kleiderwechsel wieder in die vordere Hütte trat, fand ich sie mit einer Menge von Eingeborenen gefüllt, wie