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Quer durch Upolu.
um ein besonders zu Ehren des Gastes komponiertes Lied zu singen. Andere Lieder l folgen, bis sich endlich die Tanpou erhebt, um allein einige äußerst graziöse Tänze aus- e zuführen, die selbst einer unserer Ballerinan Ehre machen würden. Auch werden gewöhnlich Tänze aufgeführt, denen eine bestimmte Handlung untergelegt ist, also eher eine l>
Art Tanzpantomimen und Hanswurstiaden, bei denen es mitunter recht toll zugeht. gi
Auch die Europäer müssen dabei herhalten; es werden ihre Kämpfe, das Beschießen der di
Dörfer durch die englischen und amerikanischen Kanonen, aber auch ihre den Samoaueru cl
mitunter recht komisch vorkommenden Sitten und Gebräuche in keineswegs schmeichel- h>
haster Weise für sie karikiert. Aber dabei bleibt es gewöhnlich nicht. Aufgeregt durch tr
die Bewegungen, durch Getränke und den Beifall, die Bewunderung der Znseher werden c>
die Bewegungen immer wilder, immer kühner, die anderen Mädchen erheben sich, um sich an dem Tanz zu beteiligen, junge Männer springen hinzu, der Blumenschmuck wird B
von den Hüften gerissen, und die ganze Siwa artet dann in eine „Mulipaipai" aus, , >« mit Unzüchtigkeiten, welche zeigen, daß die Samoaner trotz aller Höflichkeit nnd Liebens- . r Würdigkeit doch eben nur Südseeinsnlaner sind. K
Quer durch Upolu.
HfVon all den Kolonieen des Deutschen Reiches in den verschiedenen Erdteilen ist wohl ^x)die neueste, Samoa, auch die entzückendste. Wenn ich im Geiste die Bilder vorüberziehen lasse, die sich mir überall dort, wo die deutschen Trikoloren flattern, eingeprägt haben, so drängt sich doch immer wieder Samoa und von dort die Umgebung von Apia in den Vordergrund. Nirgends verweilte ich lieber, nirgends verweilen auch heute noch meine Gedanken und Erinnerungen lieber als bei dieser „Perle der Südsee", diesem - Tropenparadiese, das nur leider so unendlich weit weg vor: der Heimat bei unseren Antipoden gelegen ist.
Eine ganze Menge von Bildern und Beschreibungen haben den deutschen Leserkreis in der jüngsten Zeit mit Samoa einigermaßen vertraut gemacht. Man kennt die Schönheiten der Bucht von Apia, die herrlichen Palmenplantagen, die sich in der Nachbarschaft der Hauptstadt von Samoa die Küsten entlang ziehen, die idyllischen Dörfchen der Eingeborenen im Schatten dunkeler Brotfruchtbäume und großblätteriger Bananen, man kennt auch das Leben und die eigenartigen Sitten des samoanischen Volkes.
Indessen, was von Samoa seit der deutschen Flaggenhissnng im vergangenen Jahre bekannt geworden ist, erstreckt sich fast ausschließlich auf die kleinere der beiden Haupt-- inseln, auf Upolu, und das auch nur auf die unmittelbare Umgebung von Apia und ^ die Apia nahegelegenen Küsten. Nur wenige Reisende haben ihre Fahrten bis an das Ost- und Westende oder gar an die Südküste der Insel ausgedehnt. Es sind nun sich» Jahrzehnte her, seit sich der erste weiße Ansiedler auf Samoa niedergelassen hat-.