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Die Samoanerinnen.
Wägelchen spazieren. Die jungen Samoanerstutzer sind leidenschaftliche Reiter, ganz wie die deutschen Matrosen. Wenn immer sie einen Dollar übrig haben, wird ein Pferd gemietet und die Straße auf und ab galoppiert. Des Abends sitzen sie auf der Haustreppe und spielen mit Steinchen, Geldmünzen oder sie singen ihre ganz reizend klingenden Lieder. Für Mnsik haben sie überhaupt besondere Vorliebe, und spielt das Mnsikkorps eines der Kriegsschiffe oder die aus Mischlingen bestehende Stadtmnsik in Lindenau, dann giebt es für sie kein größeres Vergnügen, als den Vorführungen zu lauschen. Glücklicherweise wird das Verbot, ihnen geistige Getränke zu verabreichen, strenge aufrecht erhalten, und so kann das Beispiel, das ihnen zuweilen betrunkene amerikanische Matrosen geben, nicht nachgeahmt werden. Neben anderen guten Eigenschaften haben sie sich auch ihre guten Manieren und ihre Höflichkeit bewahrt. In der: Straßen wird der anständig gekleidete Europäer (es giebt leider unter den deaellooinders auch viele, die es nicht sind) von Männern und Frauen mit einem freundlichen „Talofa" begrüßt, die Mädchen murmeln es im Vorbeigehen lächelnd und mitunter begleitet von so feurigen Blicken, daß gar mancher Neuling dem Gruß eine ganz andere Bedeutung beilegt Aber er ist harmlos und darf gewiß nicht ungünstig ausgelegt werden.
Die Samoanerinnen.
HfHetin man die Samoanerinnen zu Hause oder auf der Straße sieht, wenn man sie ><>^)bei ihren Spielen, Tänzen, Unterhaltungen aller Art beobachtet und die freie, aller Scheu bare Umgangsweise mit den Männern wahrnimmt, dann ist man leicht geneigt, daraus wenig Vorteilhaftes in Bezug auf ihre Tugend zu schließen. In der That besitzen die lustigen Weiber von Samoa bei den Seeleuten und flüchtigen Globetrotters keinen besonders guten Ruf. Allein es wäre weit gefehlt, aus den wenigen Exemplaren, die sich in der von Fremden viel besuchten Hafenstadt Apia zum Amüsement der letzteren aufhalten, auf das weibliche Geschlecht von Samoa im allgemeinen zn schließen. Bei wenigen Naturvölkern wird auf die Tugend ein verhältnismäßig so hoher Wert gelegt, wie bei den Samoanern. In ihren Kinderjahren erfreuen sich die Mädchen derselben Liebe und Zärtlichkeit von feiten ihrer Eltern und Geschwister wie die Söhne. Die Samoaner, besonders die Häuptlinge, lieben große Familien, da sie durch die große Zahl der Mitglieder ihren Einfluß und ihre Macht kräftigen, und weil der Unterhalt einer Familie in diesem gesegneten Lande, wo die Natur ihnen alles Erforderliche ohne Arbeit in Fülle gewährt, so gut wie nichts kostet. Kindermord, wie er im östlichen Polynesien sonst gebräuchlich ist und wie er in verschiedenen Teilen des Bismarckarchipelv ausgeübt wird, ist bei den Samoanern seit jeher unbekannt gewesen.
Während der ersten Tage nach dem Erscheinen des samoanischcn Weltbürgers wird von Freundinnen oder Verwandten der Mutter an seinem Kopfe hernmmanipnliert, um