Mtaafas Haar und (schnurrbart sind weiß, obschon er kaum älter als sechzig Jahre sein dürste, deinen Geburtstag kennt er ebensowenig wie seinen Geburtsort und das Jahr. Als ich ihn darüber befragte, verstand er mich garnicht, erst als der Dolmetscher ihm meine Fragen erklärte, antwortete er, er wäre schon sehr alt, und wegen des Geburtsortes müßte er seine Eltern befragen, die aber leider schon tot sind. In sehr höflicher Weise lud er mich zu einem Trank Kawa ein und ließ mir, nachdem dieser von den Frauen bereitet war und der Hofnarr durch eine Art samoanischen Jodler diese Thatsache seinem Herrn zur Kenntnis gebracht hatte, seinen eigenen Becher reichen, aus welchem sonst niemand trinken darf. Die Frauen, ebenso wie die zahlreichen Dienstlente Mataafas, wohnen in eigenen Hütten hinter dem geschilderten „Palaste".
ächt weit davon steht ein europäisches Wohnhaus, das in Zukunft als Gerichtshof ^siir die Snmoaner dienen wird. Die Spitze der Halbinsel Mnlinnu wird ausschließlich M samoanischen Häusern eingenommen.
Das ist Apia, die Hauptstadt von Samoa. Viel schöner, viel anheimelnder ist die unmittelbare Umgebung dieses Krähwinkels; wer von „Tivoli" oder vom „Zeutralhotel" eine der landeinwärts führenden Straßen benutzt, gelangt in das „Villenviertel" der europäischen Ansiedler, wo auf den sanft abfallenden Hängen des Apiaberges inmitten der herrlichsten Gärten und Palmenpflanznngen reizende Villen und Bungalows liegen, »nd mo der Aufenthalt sich zu einem wahrhaft genußreichen gestalten würde, wenn Apia mir mit den Segnungen der europäischen Kultur einigermaßen beglückt wäre. Aber das ist nicht der Fall. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Apia, wie überhaupt ganz Smnoa hat noch keinen Schuster, keinen Schneider, Glaser, Schlosser, Möbeltischler, keinen Handwerker überhaupt, ausgenommen Zimmerlente und Schmiede. Es giebt keinen ^Gemüse-, Frucht-, Fisch- und Fleischmarkt; zieht man sich die Gemüse und Früchte nicht st, so sind sie, wenn überhaupt, nur von anderen Pflanzern aufzutreiben. Fische sind selten zu haben, Eis fehlt gänzlich, ebenso wie noch vieles andere. Ob Apia E jemals sich so weit entwickeln wird, um einen hinreichend einträglichen Markt für all heute noch Fehlende zu bilden, möchte ich bezweifeln.
Straßenleben in Apia.
II" das Leben und Treiben im Hafen sowie auf der einzigen Straße von Apia kennen zu lernen, hätte ich mein Hotel gar nicht zu verlassen brauchen. Von der freiten Veranda im oberen Stockwerk (das „Zeutralhotel" gehört zu den wenigen Gebäuden Ortes, welche ein solches besitzen) genoß ich die Aussicht auf den schmalen ; üefen Wasserstreifen zwischen den brandungumranschten Korallenriffen, welcher als Anker- ^ für die großen Schiffe dient, sowie auch etwa einen Kilometer weit auf die Straße, dicht am Hotel vorbeiführt.