Inselparadiese in der Südsee.
^Henn man an kalten, regnerischen Tagen zu Hause sitzt und zufällig, vielleicht ^Vzum Zeitvertreib, einen Atlas zur Hand nimmt, dann wird man, darin herumblätternd, gewiß zunächst das Salzkammergut und Tirol oder die Schweiz, die Riviera, Italien und dergleichen aufschlagen, um in Gedanken schöne Vergnügungsreisen zu unternehmen, aber in den seltensten Füllen wird das Auge auf der Karte des Stillen Ozeans haften bleiben. Sie bietet ja keine Gebirge und Städte und Flüsse dar, sondern nicht viel mehr als ein leeres Blatt Papier mit senkrechten und wagrechten Linien, und an den Rändern vielleicht die Küsten Amerikas und Ostasiens. Gerade wo die Karte anfängt, interessant zu werden, hört sie auf. In der Mitte aber enthält sie eine Menge kleiner schwarzer Pünktchen, Tintenkleckse, als wäre die Stahlfeder des Zeichners auf dem Blatte stecken geblieben und hätte bei dem Kickser ihre Tinte nach allen Richtungen verspritzt.
Aber für denjenigen, der in Wirklichkeit die ungeheure Salzflut durchfurcht, die sich auf der Karte wie eine einsame traurige Wasserwüste darstellt, ist diese Fahrt eine Reise von einem Paradies zum anderen, denn viele von den kleinen Pünktchen der Landkarte sind die entzückendsten Inseln und Jnselchen, welche unser Erdball auszuweisen hat. Wenn ich auf diesen Fahrten durch den Stillen Ozean solche Eilande besuchte und durch ihr Klima, die Großartigkeit ihrer Vegetation, die paradiesische Einfachheit und Natürlichkeit ihrer Einwohner in Entzücken versetzt wurde, mußte ich jedesmal unwillkürlich an die geschickten Fakire denken, deren staunenswerte Vorführungen ich an verschiedenen Fürstenhöfen Indiens gesehen habe, um sie besonders um ein Kunststück zu beneiden. Sie steckten ein kleines, unscheinbares Samenkörnchen in den Boden und zauberten binnen wenigen Minuten daraus vor den Augen des Zusehers einen Tropenbaum hervor. Das Samenkorn sandte ein Sprößlein aus der Erde, das immer größer wurde, Zweiglein und Aeste, Blüten und Früchte bekam, und endlich stand ein mannshoher Baum da, so schön und seltsam, wie man sie nur in der fremden Tropenwelt sehen kann. ^
Die schwarzen Pünktchen auf der Karte des Stillen Ozeans sind solche Samenkörner, und ich wünschte, ich besäße die Gabe des Fakirs, aus ihnen für den Leser in einer kurzen Zeitspanne jene Paradiese hervorzuzaubern, die sie in Wirklichkeit sind. Aber wer könnte dies vollbringen, wenn ihm nichts als ein Blatt Papier und Tinte und Feder zur Verfügung steht? Von all den Tausenden und Abertausenden Inseln sind dem Europäer vielleicht nur die Namen eines halben Dutzends geläufig, er kennt die Namen Fidschi, Tonga, Samoa, Tahiti, Neukaledonien, Neuhebriden, aber sie sind ihm nur geographische Begriffe, und er kümmert sich in der Regel nicht weiter um sie, denn er hat ja nicht die geringsten Beziehungen zu ihnen, nicht die geringste Aussicht, sie jemals zu sehen. Ihre Bewohner sind unsere Antipoden, und weun mau irgendwo bei uns ein Loch graben würde, das mitten durch den Erdball führt, so würde man vielleicht unter den Kokospalmen irgend einer Südseeinsel wieder zum Vorschein kommen. Das wäre auch der einzige Landweg, um sie zu erreichen.