Druckschrift 
Samoa, Bismarckarchipel und Neuguinea : drei deutsche Kolonien in der Südsee ; mit 36 Vollbildern, 113 im Text gedruckten Abb. u. 2 Kt. / von Ernst von Hesse-Wartegg
Entstehung
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Im Lauenburgarchipel.

^^ier in den stillen blauen, von Nenpommern und Nenmecklenbnrg umschlossenen ^^Gewässern, aus denen zahlreiche bewaldete Inseln hervorragen, ist die Wiege des deutschen Kolonialreiches in der Südsee, das heute eine Viertelmillion Quadratkilometer, also etwa die Hälfte des Deutschen Reiches, umfaßt, aber freilich nur gegen eine halbe Million Einwohner zählt. Hier auf den Inseln Matupi, Mioko, Kerawara und Makada haben sich die ersten deutschen Händler niedergelassen, hier wurden bald darauf christliche Missionen gegründet, und hier wurde in ihren: Gefolge zum erstenmal die deutsche Flagge in der Südsee gehißt. Dieser denkwürdige Akt wurde im Dezember 1878 von dem Kommandanten S. M. S. Ariadne, dem heutigen Konteradmiral B. v. Werner, vollzogen, aber von der Reichsregierung nicht anerkannt. Die eigentliche Besitzergreifung erfolgte im August 1884. Siebzehn Jahre sind seither verstrichen, und wenn die neuen deutschen Kolonien in den ersten Jahren auch nur geringe Fortschritte gemacht haben, so sind sie dafür seit der Uebernahme der Verwaltung durch das Reich in so raschem Aufblühen begriffen, daß jetzt schon viel von dem früher Versäumten nachgeholt worden ist. Von den: Mittelpunkt Herbertshöhe aus strahlt Leben, Verkehr, Handel, freilich vorläufig mir in bescheidenem Maße, nach allen Richtungen aus, ins wilde unerforschte Inland tion Nenpommern, nach den Inselgruppen der näheren Umgebung und über das Meer hin­weg nach Neuhannover und den Admiralitütsinseln. Was die raschere Entwickelung dieser bisherigen Stiefkinder des Deutschen Reiches neben anderen Umstünden vornehmlich lahmgelegt hat, war die schlechte Dampferverbindnng dieses großen Gebietes mit der Außenwelt. Alle zwei Monate kam ein Dampfer des Norddeutschen Llohd von Singapore aus, und nicht viel häufiger, dafür desto unregelmäßiger, erschien ein australischer kleiner Dampfer von Sydney. Das war alles.

Es ist mit Freude zu begrüßen, daß durch die neu geschaffenen Dampferlinien des Norddeutschen Lloyd diese elenden, ungenügenden Verbindungen nunmehr etwas besser geworden sind. Der Lloyd hat einen zweiten größeren Dampfer in den Dienst gestellt, und dieser Zwillingsdampfer der in der ganzen Südsee bekannten und beliebten Stettin" verkehrt nunmehr zwischen Sidney über Neuguinea, den Bismarckarchipel, die Karolinen und Marionen nach Hongkong und zurück. Es sind also neben dem bis­herigen Anschluß an Singapore auch Verbindungen mit Australien und China, überdies auch solche unter den deutschen Schutzgebieten selbst entstanden.

Von dem bisherigen Verkehrselend kann man sich zu Hanse gar keine Vorstellung machen. Als ich zu Jahresbeginn 1900 von Java aus nach dem Schutzgebiet reiste, traf ich auf der Stettin einige seltsame Mitpassagiere, darunter eine Dame. Dieselbe mr Besitzerin eines Hotels in Ponape, der Hauptstadt der Karolinen, und fuhr ansang-' des Jahres 1899 mit einem spanischen Dampfer nach Manila, um dort Einkaufe zu besorgen. Da wurde als Folge des spanisch-amerikanischen Krieges die spanische Dampferlinie eingestellt, und die gute Dame konnte nicht nach Ponape zurück, ^