Druckschrift 
Samoa, Bismarckarchipel und Neuguinea : drei deutsche Kolonien in der Südsee ; mit 36 Vollbildern, 113 im Text gedruckten Abb. u. 2 Kt. / von Ernst von Hesse-Wartegg
Entstehung
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An der Nordküste der Gazellenhalbinsel.

^ver Ausflug nach der Blauchebai war so interessant gewesen, daß ich Pater Dicks die Erlaubnis bat, auch in der folgenden Woche die Rundfahrt des Missions­schiffes rings um die Gazellenhalbinsel mitmachen zu dürfen. Das Wetter war uns aber diesmal nicht so günstig. Die kleine Dampfnußschale schaukelte trotz aller Kunst des seeerfahrenen Kapitäns Don Basilio ganz erbärmlich umher, und die Brandungs­wellen gingen besonders an der Nordostküste, zwischen den drei Vulkanen und Kap Stephens, so bedenklich hoch, daß wir unsere Landungsversuche in Nondup sowohl wie auf der hochinteressanten großen Insel Uatom zu unserem Bedauern aufgeben mußten. Unser Boot wäre an den Klippen wahrscheinlich zerschellt worden, und wir wohl mit ihm. Noch schlimmer blies der Wind, als wir die malerische Küste entlang fahrend die Station Vlavolo, einen der wichtigsten Sitze der Mission, erreichten. Haushoch brachen sich dort die Wellen an den Korallenriffen; wir sahen in der Ferne das hübsche von einem Turm überhöhte Kirchlein und die Missionsgebäude in einem üppigen Blumengarten stehen, wir sahen auch den Leiter der Mission, den verdienstvollen Pater Bley, von der Küste uns verschiedene Zeichen geben, aber wir mußten weiter. Ueberall längs der Küste liegen die niedrigen Bungalows und Warenhäuser von Weißen Händlern, hauptsächlich Engländern und Deutschen, die hier von den Eingeborenen Kopra einhandeln. Daß sie sich hier überhaupt mit einiger Sicherheit ansiedeln konnten, daß sie Wege ins Innere finden und dort bei den Eingeborenen auch Produkte für den europäischen Markt ein­tauschen können, haben sie vornehmlich den Missionaren zu danken. Diese waren es, die sich zuerst unter beständiger Lebensgefahr unter den Menschenfressern ansiedelten, um ihnen den schrecklichen Kannibalismus, das hinterlistige Morden und Verzehren von Menschen, das Töten ihrer eigenen Kinder abzugewöhnen und ihnen das Gotteswort zu predigen; die Missionare waren es, welche Wege durch das Land bauten, die faulen Kanaken auf die Segnungen der Arbeit aufmerksam machten, sie lehrten, wie zu säen, zu pflanzen, zu ernten sei. Sie haben hier nicht nur ihrem Glauben gedient, sondern eine große Kultnrmission erfüllt, die von der Regierung, den Pflanzern und selbst von ihren eifrigsten Glanbensgegnern rückhaltlos anerkannt wird. Auf einer Strecke von etwa zehn. Kilometer liegen hier mindestens ein halbes Dutzend Handelsstationen; weiter hinaus, jenseits des Weberhafens, in den großen Bezirk der Bainingberge, haben sie sich noch nicht gewagt, denn dort ist das Feld für sie noch nicht vorbereitet, dort wirkt vorläufig die Mission allein unter der Leitung des hochverdienten Pater Rascher.

Da wir in Vlavolo unmöglich an Land kommen konnten, versuchte Kapitän Basilio das Schiff durch Wind und Wellen nach der nächsten Missionsstation, Vunakamkabi, zu steuern, die in der Talilibncht etwas geschützter gelegen ist. In der That gelang es uns, dort ohne besondere Salztanfe an Land zu kommen. Dort besorgte uns der Missionsleiter, Pater Rollen, in liebenswürdigster Weise Pferde, damit wir noch M Einbruch der Nacht nach Vlavolo und von dort über die Berge nach Matnpi gelange