Druckschrift 
Samoa, Bismarckarchipel und Neuguinea : drei deutsche Kolonien in der Südsee ; mit 36 Vollbildern, 113 im Text gedruckten Abb. u. 2 Kt. / von Ernst von Hesse-Wartegg
Entstehung
Seite
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Die Blanchebai und ihre Vulkane.

Feld der Thätigkeit für das segensreiche Wirken der Missionen in dem weiten Gebiete der Kolonie". Thatsächlich ist der Kannibalismus überall dort, wo in diesem vollständig religionslosen Jnselreiche die Missionare direkten Einfluß ausüben können, verschwunden. Leider giebt es Missionen nur auf Neupommern und auf den Salomonsinseln. In Nenmecklenburg, Nenhannover und auf den anderen zahlreichen Eilanden wohnen nur vereinzelte weiße Händler, und es wird noch Jahrzehnte dauern, ehe dort die Zustände ähnlich günstige sein werden wie an der Nordküste der Gazellenhalbinsel. Inzwischen giebt es kein anderes Mittel, dem Kannibalismus zu steuern, als die strengsten Strafen und Strafexpeditionen, wie sie thatsächlich von Herbertshöhe aus unternommen werden, wenn immer sich eine Schiffsgelegenheit darbietet, um den betreffenden Ortschaften da­zukommen. Leider ist es aber mit diesen Schiffsgelegenheiten sehr schlecht bestellt.

Die Blanchebai und ihre Vulkane.

HsHer eine Expedition nach so weltentlegenen, verlassenen, unbekannten Jnselgebieten ^Vhinter sich hat, wie es die Nenhannover- und die St.-Matthiasgruppe heute noch sind, dem dünkt das winzige Herbertshöhe, die Hauptstadt des Bismarckarchipels, wie ein Klein-Paris. Mit Freuden vertauschte ich die enge Kabine des Kriegsschiffes mit der behaglichen Wohnung beim Gouverneur und bedauerte nur, daß dieser selbst schon zwei Tage nach meiner Rückkehr fort mußte, um auf einem kleinen Kutter eine Expe­dition nach Nenmecklenburg zu unternehmen. Nur zu gern Hütte ich mich dieser an­geschlossen, wenn bestimmte Aussicht auf eine Rückkehr nach ein paar Wochen vorhanden gewesen wäre. Aber auf Segelschiffen in diesen nur wenig bekannten Meeren herum­zugondeln, beim Landen unter feindlichen, nach Menschenfleisch lüsternen Kannibalen zu wohnen, hat seine Schattenseiten; man kann nie wissen, ob die Vorsehung den Reisenden innerhalb einer Woche oder innerhalb zweier Monate oder überhaupt zurückbringt; entrinnt man auch dem wenig ansprechenden Schicksal, zerteilt, gebraten und aufgefressen zu werden, so kann doch Windstille eintreten, und man liegt dann wochenlang auf offener See, oder man kann durch Stürme nach irgendeinem Winkel im Stillen Ozean ver­schlagen werden, wie es während meines Aufenthaltes in Neuguinea und im Vismarck- archipel manchem Segelschiffe passierte, das als verloren und verschollen galt, um Monate später irgendwo aufzutauchen. Ich zog es deshalb vor, Herbertshöhe als Hauptquartier beizubehalten und von dort Ausflüge zu Land und zu Wasser in die nähere Umgebung dieses so entzückend gelegenen Ortes zu unternehmen.

Ob auf dem Festlande von Neupommern, ob auf den zahlreichen, der Gazellenhalb­insel vorgelagerten Inseln, überall findet man mitten unter den kanakischen Mensche»' fressern einzelne Weiße, und man kann bei diesen stets eines Rückhaltes, eines gastliche» Empfanges und im Bedarfsfälle auch der Unterkunft sicher sein.